„So eine Arschkriecherei begeistert mich“

Vermutlich angewidert von der Hofberichterstattung eines Nachwuchsjournalisten der chinesischen Zeitung „Nanfang Dushibao“, vermerkte der Korrektor des Blattes im Skript „so eine Arschkriecherei“. Ahnungslos übernahm der Setzer  die Bemerkung und machte dann daraus, „so eine Arschkriecherei begeistert mich“.

Gregor Kochhan, sozialpol. Sprecher
Gregor Kochhan, sozialpol. Sprecher

Was hat die südchinesische Zeitung nun mit der hiesigen Medienlandschaft zu tun?

Scheinbar mehr, als man glauben mag!

An aktuellen Beispielen mangelt es nicht. „Die CDU-Fraktion mit Axel Hochschild an der Spitze kämpfte vehement“ für das Bauvorhaben Wiecker Schlag eines rheinischen Versicherungsmanagers. Der CDU-Chef durfte noch orakeln, „wenn wir diesen Investor vergraulen, müssten wir den Titel ’Wirtschaftsfreundlichste Kommune’ zurückgeben.“ Für den Vertreter des Investors war die Entscheidung der Bürgerschaft denn auch „unfassbar!“ Dann noch dies, „nachdem das Vorhaben gekippt war, klatschten die Gegner jubelnd Beifall.“

Dies alles nur, weil „zwei Prozent der Fläche schützenswerte Naturbiotope sind“. Matthias Horn, der CDU-Hinterbänkler, durfte zeitungsöffentlich konstatieren: „Ein trauriges Zeichen. Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir mal eben so 20 Millionen wegschmeißen.“

Ob die 20 Millionen der hiesigen Bauwirtschaft zugeflossen wären, ist dabei nicht einmal sicher. Aber die Message ist klar, während alle anderen Gruppierungen der Bürgerschaft dogmatische Bedenkenträger sind, ist die örtliche CDU die einzige Kraft, die Greifswald in die Zukunft führen kann.

CDU-Hinterbänkler Horn ist übrigens jener Christdemokrat, der in den Spuren des JU-Bundesvorsitzenden Mißfelder wandelt und die Bezieher von Alg-2-Leistungen beleidigte.

Während sich der Gastwirt, JU-Bundesvorständler und nordvorpommersche Wirtschaftsförderer Horn am Montag im Hörfunk-Interview um eine Positionierung herumdrückte, wie ein kleines, beleidigtes Kind greinte, die Frage nach seinen Vorstellungen zur Ausgestaltung von Alg-2 Bezügen mit „dazu sage ich nichts“ beantwortete, war dies dem täglich erscheinenden Greifswalder Printmedium keine Zeile wert.

Dafür bot die Usedomer Ausgabe der Tageszeitung dem Christdemokraten Gelegenheit, seine Diffamierungen zu wiederholen. Horn hatte gesagt, „dass viele Hartz-IV-Empfänger die staatliche Hilfe falsch verstehen, ist eine Wahrheit, die man auch aussprechen sollte. Man darf in diesem Land Unternehmer, Soldaten und Polizisten beschimpfen, also darf auch mal Hartz-IV-Empfängern die Meinung gesagt werden“. Auch in diesem Blatt kein Hinweis auf die geforderte Distanzierung oder den Rücktritt. Stattdessen konnte die Union ein wenig Geschichtsfälschung betreiben. Unterschwellig wurden SPD und Grüne für die Hartz-IV-Gesetzgebung verantwortlich gemacht. Für nicht erwähnenswert hielt man, dass die „Reform“ von der CDU mitgetragen und das Ergebnis eines Vermittlungsverfahrens von Bundestag und Bundesrat war.

2 Kommentare bei „„So eine Arschkriecherei begeistert mich““

  1. Wir sollten dabei nicht vergessen, daß ein geschlagener Mann eher vom Parkett kroch, als daß er es verließ, wenn man der OZ glauben darf: „Projektentwickler Christian Leuschner aus Leipzig, der das Vorhaben im Auftrag des Investors Dr. Wulf Böttger aus Essen verwirklichen wollte, verließ tief enttäuscht das Rathaus.“ Wie es weiter heißt, habe er „frühzeitig“ beim STAUN vorgesprochen (was für einen vorausschauenden Investor eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist). Von knapp über dem Parkett aus konnte er noch eine „empörte“ Faust hochrecken: „Ich habe in keiner anderen Stadt erlebt, dass eine Bürgerschaft so mit Investoren umgeht.“ Von seiner Position aus gut nachvollziehbar entrüstete er sich darüber, daß die Bürgerschaft „die Arbeit der Verwaltung mit Füßen“ trete.
    Ein gebrochener Mann. Wollen wir hoffen, daß er seinen Plan umsetzen kann, das Projekt „an der Ostseeküste an anderer Stelle umzusetzen“.
    Recht so, daß die OZ diesem armen Gebeutelten gut 40 % der Worte des Artikels einräumt. Das ist Verbundenheit mit der Stadt und der Region – Loyalität und Solidarität mit der von Greifswalder BürgerInnen gewählten Bürgerschaft, intensive Bekanntschaft mit Demokratie und Wadenbeißen: Unabhängig, überparteilich, mit der Region verbunden!

    1. Wenn die Insel Usedom auch keine Stadt ist, dort hat es nach 5 Jahren Kampf des Hr. Leuschner auch nicht geklappt.
      Siehe:
      http://www.usedom-exclusiv.de/fruehjahr2006/marinaschloonsee.htm
      Sowie Zitat:
      Wochenendausgabe, 08. April 2006 | Insel Usedom links
      Heringsdorf vertagt Marina-Debatte
      Trotz eines Dringlichkeitsantrags kam die „Schloonsee-Marina“ am Donnerstag nicht auf die
      Tagesordnung des Parlaments der Gemeinde Heringsdorf. Mit dem 50-Millionen-Projekt wollen
      sich die Abgeordneten nun am 27. April beschäftigen.
      Heringsdorf Für den CDU-Abgeordneten Joachim Saupe war es am Donnerstagabend eine recht kurze
      Parlamentssitzung. Nach gut 20 Minuten verließ er frustriert die parlamentarische Bühne im Bansiner
      „Parkhotel“ mit dem Wort „Wirtschaftsverhinderer“. Zuvor war nämlich sein Dringlichkeitsantrag zur
      Aufname der „Schloonsee-Marina“ auf die Tagesordnung mit neun Ja-, zwölf Nein-Stimmen sowie
      einer Enthaltung abgelehnt worden. …
      Interessant ist die Wortwahl des CDU-Abgeordneten. Kommt uns das nicht bekannt vor?

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