Gauck for President !? *Update 19.06.10* **20.06.10**

Ich habe da meine Zweifel, um es gleich vorweg zu nehmen. Über Gauck wird viel geschrieben, über ihn diskutiert. So sagte Gregor Gysi zum Kandidaten Gauck und dessen Nichtwählbarkeit aus seiner Sicht in der taz:

Gregor Gysi: Weil er Haltungen einnimmt, die wir nicht teilen. Er war für den Irakkrieg. Er ist für den Afghanistankrieg. Und er lehnt die Einheit von politischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit ab. Er will den sogenannten Fürsorgestaat nicht. Meine Schlussfolgerung aus DDR und Bundesrepublik lautet, dass wir politische und soziale Freiheit nicht mehr trennen dürfen. Gauck sieht das anders. Für eine Partei, die vorwiegend sozial ausgerichtet ist, ist das schwerwiegend.“

Doch lassen wir Gauck selber zu Wort kommen. Bei SPON warnt er vor rot-rot-grün, verteidigt wiederum den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und spricht über das Sparpaket der Bundesregierung. Gerade die Passagen des Interviews zu Afghanistan und zum Sparpaket sind es, die meine Zweifel nähren. Denn er kritisiert keineswegs die jetzige Regierung, sondern findet lediglich, dass sie (die Regierung) ihre Politik besser verkaufen müsse.

Gauck zu Afghanistan: „Warum sagen wir nicht in klaren Worten, was los ist? Dass unsere Soldaten dort im Auftrag der Vereinten Nationen Terrorismus bekämpfen und daneben noch eine Menge Gutes für die Menschen in Afghanistan tun.“

Oder zum Sparpaket: „Natürlich muss gespart werden – aber das muss der Bevölkerung vermittelbar sein.“ Kritik sieht anders aus.

Nochmals Gauck zur Sparpolitik, von Spiegel-online als scharfe Kritik bezeichnet: „Ich finde es richtig, zu sparen. Aber ich kann es nicht fair finden, dass diejenigen, die beim Sparen kaum etwas merken würden, rücksichtsvoller behandelt werden als die anderen, die es empfindlich trifft.“ Ähnlich äußerte er sich laut OZ vom 14.06.10 in Rostock. Er könne es nicht verstehen, dass man sich fürchtet, im oberen Segment der Gesellschaft Einsparungen zu forcieren, wird er zitiert. Strengere Regeln für die außer Kontrolle getratenen Finanzmärkte lehnt er allerdings ab. Er will zwar die Reichen mit ins Sparen einbeziehen, aber er sagt nichts über mögliche soziale Härten zu den Einsparvorschlägen bei den Ärmsten oder will diese gar revidieren. Damit befindet er sich in der Merkelschen Logik des „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“. Doch wer ist „wir“? Sind es die ALG II-Berechtigten, denen das Elterngeld gestrichen wird? Die ihrer Rechte beraubt werden? Oder sind es nicht eher die Zocker an den Finanzmärkten?

Gauck sieht auch keine soziale Spaltung der Gesellschaft, vielmehr habe die Debatte darüber „populistische, mitunter sogar demagogische Züge“, so Gauck laut OZ vom 14.06.10. Das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung (DIW) ist also populistisch, wenn nicht sogar demagogisch. Hat es doch in einer heute veröffentlichten Studie festgestellt, dass „im längerfristigen Trend … einerseits nicht nur die Zahl der ärmeren Haushalte stetig gewachsen [sei] – sie wurden im Durchschnitt auch immer ärmer. Auf der anderen Seite [gebe] es im Trend immer mehr Reichere, die im Durchschnitt auch immer reicher werden“. Die Süddeutsche sieht unter Bezugnahme auf die Studie eine soziale Schieflage und die Kluft zwischen arm und reich immer größer werden. Der besorgniserregende Trend werde durch die Bundesregierung verschärft, so die Süddeutsche heute. Die Stabilität der Gesellschaft sei bedroht.

Gauck for President?

*Update 19.06.10*:

Joachim Gauck heute im FR-online-Interview:

Gauck klinge wie Gerhard Schröder, so der Interviewer, und Gauck widerspricht nicht, sondern verteidigt die Politik des „Fördern und Forderns“. Auch das Beispiel desjenigen, der arbeitet und gerade mal 20 Euro mehr habe als derjenige, der nicht arbeitet, fehlt (natürlich) nicht. Trotzdem ist es falsch und wird durch Wiederholung nicht besser oder richtiger. Der Freibetrag ist mindestens 160 Euro bei allein Stehenden, bei Familien mehr, siehe nur dieses Beispiel.

Und er sagt auch noch dies: “ Ich bin dafür, dass wir sparen, denn ich möchte nicht, dass meine Enkelkinder meine Schulden bezahlen müssen. Wir müssen auch im Sozialhaushalt sparen. Aber wenn den Empfängern von staatlicher Hilfe das Heizgeld gestrichen wird und die oben, die mit den hohen Einkommen müssen nichts abgeben, dann ist das ungerecht.“

Wieder die Gelegenheit vertan, die Kürzungen bei den Ärmsten zu kritisieren, lediglich ungerecht ist, dass die Reichen nicht auch zur Kasse gebeten werden. Da ist es wieder, dieses „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“ und müssen alle sparen.  Dass er dabei auch von „sozial Schwachen“ spricht, verwundert nicht mehr.

**Update 20.06.10**:

Ich verstehe immer noch nicht, was Gauck als Kandidat von SPD (!) und Bündnisgrünen (!) auszeichnet, bei allem Respekt vor seiner Person. Ich wurde hier kritisiert, dass ich einzelne Zitate von Gauck aus dem Spiegel und aus der OZ gebracht habe und daraus auf seine politischen Ansichten, die mit sozialdemokratischen oder grünen (?) Ideen nicht viel zu tun, geschlossen habe. Lassen wir ihn deshalb noch einmal zu Wort kommen, aus dem zitierten FR-Interview:

„Für die Liberalen und die Christdemokraten und die Christsozialen ist das einfach. Sie lieben die Freiheit, ich liebe die Freiheit. Sie lieben die Selbstverantwortung, ich liebe sie. Ich bin auch ein konservativer Mensch.“

Heute lässt er die Katze aus dem Sack, für alle diejenigen, die von der reinen Lehre nichts halten. In einem von der FR zitierten „Bild am Sonntag“-Interview, die ich mich weigere zu lesen oder zu verlinken, erklärt er, warum er meint, die Unterstützung der Linken nicht zu brauchen:

„Ich denke, dass die Stimmen, die ich für einen Erfolg brauche, von FDP und Union kommen werden. Denn deren politischen Wertvorstellungen stehe ich sehr viel näher.“

Gauck vertritt die reine Lehre des (Neo)liberalismus ohne sozialen Ausgleich. Verteilungsgerechtigkeit dürfte ein Fremdwort für ihn sein. Vielleicht ist an der Formel „Grüne = FDP + Mülltrennung“ doch was dran…

21 Kommentare bei „Gauck for President !? *Update 19.06.10* **20.06.10**“

  1. Manfred Peters sagt: Antworten

    Danke Gregor,
    endlich einmal ein Grüner, der dem Mainstream Grüner „Gauck-Euphorie“ etwas kritisch gegenübersteht.
    Ich habe allerdings den Eindruck, dass Deine Fragen unter Grünen als Blasphemie gelten.
    Die Werbung oben Links sagt ja schon einiges!

    Der OZ-Blog hat sich des Phänomens auch schon angenommen:
    http://ostsee-zeitung-blog.blogspot.com/2010/06/uber-hochschreiberei-und.html

    Ob die Destabilisierung der ungeliebten Merkelregierung den Preis wert ist?
    Gauck hat es natürlich nicht nötig auf Deine und die Fragen von Gysi zu antworten, denn als göttlich, grüner Präsidentschaftskandidat steht er schon jetzt über den Dingen und u. a. den Fragen vom 09.06.10:
    „Anmerkung der Redaktion
    Gregor Gysi äußerte sich in der Sendung zu den Gründen, warum seine Partei Joachim Gauck nicht zum Bundespräsidenten wählen wird. Gysi sagte, Gauck vertrete in wesentlichen Punkten eine andere Haltung als die Linke. So sei Gauck für den Irak-Krieg und den Afghanistan-Krieg, für die Rente ab 67 und für Hartz IV gewesen. Die „Hart aber fair“-Redaktion bemüht sich um eine direkte Stellungnahme von Joachim Gauck, die wir gegebenenfalls hier veröffentlichen werden.“
    http://www.wdr.de/themen/politik/1/hart_aber_fair/faktencheck_100609/index.jhtml

    Offensichtlich sind die Bemühungen der Redaktion (bisher?) vergebens.

  2. Ach Gauck!
    Nein! Ich muss meine Parteiführung enttäuschen. Ich kann ihre Begeisterung für den Mann nicht teilen. Ich vermute, dahinter verbirgt sich eher die Begeisterung für die eigene Taktik, mit einem genialen Coup der hassgeliebten Kanzlerin (mit der man so gerne wieder regiert hätte) ordentlich eins auszuwischen. Ich vermute ferner, das Spielchen endet für SPD und Grüne eher ernüchternd. Wie viel Gauck kann sozialdemokratische Identität – ein ohnehin äußerst dehnbarer Begriff – denn noch unbeschadet verkraften? Gewiss, Gauck ist ein achtbarer Mann, und als ich ihn auf der Pressekonferenz agieren sah, war ich positiv überrascht und meinte, den kann ich mir, wie er so spricht, als Präsidenten ganz gut vorstellen – mal eben ganz unpolitisch gedacht!
    Aber politisch ist das doch eine Katastrophe! Sollte eine Sozialdemokratische Partei – die lieben Grünen müssen das mit sich selbst abmachen – einen Kandidaten präsentieren, der mit Sozialdemokratie rein gar nichts am Hut hat? Ihr würde doch nicht im Traum einfallen, ihn zu nominieren, wäre sie Regierungspartei! Wie muss es um unser eigenes Personal stehen, dass wir die Hoffnung auf einen setzen, auf den, hätte ihn Merkel in Verhandlungen angeboten, sich Sozialdemokraten mit dem Regierungslager nie hätten einigen dürfen. Gesetzt, Gauck würde gewählt, und, wie die Medien suggerieren, Frau Merkel würde dies politisch nicht überleben, ja was dann? Taktik ist zu wenig, und für Hoffnungen, dass nach dem beabsichtigen Knalleffekt für Rot und Grün (und Deutschland überhaupt) irgend etwas besser werde, sehe ich derzeit keinen Anlass.
    Also, Gauck for President? Er wäre wohl ein guter Präsident – aber für eine Republik, die ich mir nicht wünschen will.

    1. Ach Gauck! Teil II: – Joachim Gauck – „Bin ICH das?“
      Ein Beitrag zur Diskussion um den Bewerber für das Präsidentenamt.
      Es lohnt sich, sich einmal die Zeit zu nehmen und die umjubelte Rede des Kandidaten Gauck, die er im Deutschen Theater hielt, zu lesen. Grundsatzrede? … weiter unter
      http://jostae.wordpress.com/2010/06/24/joachim-gauck-„bin-ich-das“/

      1. Manfred Peters sagt: Antworten

        Das Satiremagazin Eulenspiegel hat das Thema nicht ganz ohne „Aktenkenntnis“ so auf die
        Titelseite gebracht:
        http://www.eulenspiegel-zeitschrift.de/Auslese/aktuelles_Heft/aktuelles_heft.html

        Wichtig ist der Name, der auf der Akte steht.

        Wer aber eine weiter ernste Betrachtung lesen möchte, der findet hier einige Gedanken zum Problemfall:
        http://blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2010/juli/yes-we-gauck

  3. Nur wenige Worte zum Gemecker:
    Mit einer Kandidatin oder einem Kandidaten, die oder der die reine Lehre vertritt, kann man zwar schön rechthaben, erreicht aber bei weitem nicht das, was zum Beispiel Gauck bewirkt, indem er doch einige in Verwirrung bringt.
    Der Vorwurf gegenüber dem Kandidaten Wulff ist doch, dass es sich hier um eine rein parteipolitisch motivierte Personalentscheidung handelt. Will ich das wirksam kritisieren, kann ich das glaubwürdig nur, wenn ich eine Kandidatin oder einen Kandidaten vorschlage, die oder der sich nicht auf eine parteipolitiusche Ecke festlegen lässt, Und das bedeutet eben auch, dass er Positionen vertreten wird, die meiner persönlichen Linie nicht entsprechen.
    Und sich in dieser Angelegenheit auf Gysi zu berufen, ist doch wohl lächerlich. Da sieht doch jedeR, dass der dazu nicht unbefangen argumentieren kann.

    1. Volle Zustimmung!

      Und noch eine Ergänzung: Wer aus den zwei Sätzen zur Afghanistan und Sozialpolitik auf Spiegel Online eine Befürwortung von Kriegen und ungerechter Sozialpolitik herauszulesen will, der braucht schon eine ordentlich vorgeprägte Einstellung zu Gauck. Wer sagt, dass „die oben“ sich stärker beteiligen sollen und nichts über „die unten“ sagt, der sagt über „die unten“ erstmal nichts. Gerade als Jurist sollte man nicht jedem Schweigen eine Bedeutung zumessen.

      1. Gregor Kochhan sagt: Antworten

        Hallo Peter,

        gerade einem wortgewaltigen Mann wie Gauck traue ich zu, zu wissen, was zu sagen ist und was nicht. Das Schweigen bekommt da schon eine eigene Bedeutung.
        Doch er schweigt ja nicht nur zu denen „da unten“, er sagt auch einiges dazu. Z.B. sieht er keine Spaltung der Gesellschaft, heute sind die Nachrichten zur Studie des DIW, keineswegs die erste zum Thema, nicht zu übersehen. Es sei denn, Ulrike Herrmann hat Recht:
        http://www.nachdenkseiten.de/?p=5626
        Im Übrigen rechtfertigt Gauck auch die Agenda 2010, siehe OZ vom 14.06.10. Deren Auswirkungen (z.B. Niedriglohnsektor) sind nun wirklich genug beschrieben worden.
        Aber die Freude über den Coup „Gauck“ darf ja nichts trüben, nur taktisch denken fördert erst recht die Politiverdrossenheit.
        Zu Gaucks Kritik an den Linken und deren angeblicher Unzuverlässigkeit siehe:
        http://www.nachdenkseiten.de/?p=5912

        Grüße
        Gregor

    2. Gregor Kochhan sagt: Antworten

      Hallo Kay,

      schade, gerade von Dir hätte ich mir eine etwas diffenziertere Antwort gewünscht bzw. diese erwartet.
      Ich weiß nicht, was an meinem Beitrag Gemecker sein soll. Ich habe Gauck an einem in den nächsten Jahren immer wichtigeren Politikfeld gemessen und für mich festgestellt, dass es nicht geht. Gauck vertritt einen Freiheitsbegriff (dem ich durchaus Sympathien abgewinnen kann), dem aber „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ fehlen.
      Vor lauter Gauckseeligkeit darf meines Erachtens nicht übersehen werden, dass dieser in der Sozial- und Verteidigungspolitik nicht das vertritt, was ich mir von einer grünen Partei, die mal sozial und gewaltfrei sein wollte, wünsche.
      Zum Argument der „reinen Lehre“: Mit diesem Totschlagsargument kann ich auch einen grünen Präsidentschaftskandidaten, der sich für neue Atomkraftwerke und Endlager ausspricht, wählen. Ich darf ja nicht erwarten, dass er meine Überzeugungen in Form der reinen Lehre vertritt.
      Es kommt immer darauf an, welche Schwerpunkte ich setze und wo ich gesellschaftliche Veränderungen will. Den Neoliberalen und Reformern ist lange genug Zeit gelassen worden, sie haben´s nicht gekonnt.
      Im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik ist Gauck der „Wulff im Schafspelz“.

  4. […] 17 Jun Zu „Gauck for President!? http://blog.gruene-vorpommern-greifswald.de/2010/06/15/gauck-for-president/ […]

  5. Hallo Gregor,

    Gauck zeigt sehr schön, dass es keine einfachen Wahrheiten gibt. Er ist für Grüne und SPD sicher kein bequemer Kandidat. Insofern gehört viel Mut dazu, ihn als Präsidentschaftskandidaten aufzustellen.

    Nun aber ausgerechnet Gregor Gysi als Kronzeugen dafür heranzuziehen, dass Gauck der falsche Kandidat ist, ist schon ein bißchen zynisch. In den letzten Wochen wurde Gauck gerade aus dieser Ecke viel unterstellt. Er habe Privilegien der Stasi bekommen (dieser Vorwurf wurde ausgerechnet vom ehemaligen Stasi-Chef des Bezirkes Rostock Amthor lanciert), er würde die Oder-Neiße-Grenze (Daniela Dahn) infrage stellen und es nicht so mit der sozialen Frage haben.
    Lieber Gregor, Du schreibst, Gauck habe das Sparpaket nur halbherzig kritisiert und ziehst selektiv ein Zitat aus der Tasche. Wenn man Google benutzt, findet man aber unter vielen anderen auch dieses Zitat von Gauck zum Sparpaket: „Es darf nicht sein, dass der obere Teil der Gesellschaft vom Sparen unberührt bleibt. Höhere Steuern dürfen kein Tabu sein.“ Das ist exakt das, was auch von Grünen und SPD gesagt wird.
    Auch zum Finanzmarkt findet sich nichts, was nicht auch von den GRÜNEN vertreten wird: „Wer aus dieser Krise die Schlussfolgerung zieht, dass die Wirtschaft eine Art strenger Zähmung braucht, dem widerspreche ich“, sagte der parteilose Gauck dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag.“ Notwendig seien „verbindliche Regeln, die Falschspielern das Leben schwer machen“. Er fügte hinzu: „Ich wäre immer dagegen, einen Staatsdirigismus zu schaffen, der ein Primat der Politik über die Wirtschaft schafft.“ Wirtschaft brauche Freiheit, die Politik solle lediglich den Ordnungsrahmen setzen.“

    Klar ist, Gauck vertritt eben nicht die reine Lehre. Da ist so manches dabei, was in den Ohren westdeutscher Linker unbequem klingt. Die komplett andere Sozialisation von Joachim Gauck führt zu anderen Akzentuierungen. Was jenseits der Elbe eine Verständlichkeit war (z.B. Freiheit), mußte im Osten erkämpft werden und gewinnt so eine ganz andere Bedeutung.

    Und ja, Afghanistan. Hier darf ich daran erinnern, dass Gauck nichts gesagt hat, was nicht auch von großen Teilen der SPD und der Grünen vertreten wird.

    1. Gregor Kochhan sagt: Antworten

      Hallo sauskajo,

      ich habe nicht bestritten, dass sich Gauck auch für eine Einbeziehung der Reichen ins Sparpaket ausgesprochen hat, ich habe seine Aussagen dazu im Ausgangsartikel gebracht. Aber, und das ist m.E. entscheident, er kritisiert nicht die soziale Schieflage des Pakets. Er sagt nicht, dass nach dem ganzen Desaster nicht schon wieder die Ärmsten dran glauben sollen. Was er betreibt ist Kosmetik, um die bisherige Politik besser verkaufen zu können. Nehmen wir nur mal die willkürliche Politik der Regierung beim Elterngeld:
      http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2757764_Elterngeld-Willkuerliche-Sparplaene.html
      Gysi habe ich zitiert, weil er denjenigen eine Stimme gibt, die nicht voller Erfurcht in die allgemeine Gauckseeligkeit einstimmen.
      Gauck verdient als Person allen Respekt, aber ist er der ideale Präsident aller Deutschen? Bevor ich hier einen Roman schreibe, verweise ich auf Wolfgang Lieb:
      http://www.nachdenkseiten.de/?p=5927
      Was jedoch fatal ist, er verneint mit seiner Kritik am „fürsorglichen“ Staat das Grundrecht eines jeden Einzelnen auf ein menschenwürdiges Existenzminimum. Das ist die Logik des „Förderns und Forderns“ (im Übrigen gründlich gescheitert), erstklassige Workfare-Politik.
      Zur „reinen“ Lehre habe ich bereits oben schon etwas gesagt. Mit diesem Argument kann ich jeden unterstützen.
      Grüße
      Gregor

    2. Im Gegenteil, verehrte/r sauskajo: Gaucks Kandidatur zeigt sehr schön, dass das einzig Schwierige an der Wahrheit ist, sie zu erkennen! (Gaucks Wahrheit ist eine andere Frage, über die hier nicht diskutiert wird.) Zum kleinen demokratischen Einmaleins gehört, dass Parteien unterschiedliche gesellschaftliche Interessen vertreten. Wenn nun Parteien Vorschläge für die Besetzung des höchsten Staatsamtes machen, sollte man davon ausgehen dürfen, dass sie Kandidaten nominieren, die mit der politischen Interessenlage ihrer Wähler kompatibel sind, gleichwohl aber allgemein geachtet und fähig zu kritischer Distanz zum alltäglichen Politikbetrieb mit seinen mitunter unwürdigen Spielchen. (Der im Volk laut Medien so beliebte Horst Köhler z. B. war dazu offensichtlich nicht in der Lage, als er die von Schröder provozierten Neuwahlen sanktionierte. Er war ein Mann von SchwarzGelb und machte keinen Hehl daraus, dass er, auch persönlich, zur Rettung Deutschlands eine neue, andere Regierung wünschte. Es wurde dann nur Schwarzrot und seine erste Niederlage…) Die Kandidatur Gaucks, schon von Anbeginn ein taktisches Spielchen und inszeniert, um u. a. den politischen Gegner zu spalten, spricht dafür, dass auch er den genannten Kriterien nicht gerecht wird.
      Die Instrumentalisierung der Kandidatur Gaucks, dies beiderseitige Geben und Nehmen zwischen den Nominierenden und dem Kandidaten – nicht wahrhaben zu wollen oder billigend in Kauf zu nehmen, ist nichts weniger als bereits Symptom einer fortgeschrittenen Paralyse des allgemeinen politisch-moralischen Bewusstseins. So einfach liegen die Dinge!

  6. Hallo Gregor,

    Du schreibst: „Gysi habe ich zitiert, weil er denjenigen eine Stimme gibt, die nicht voller Erfurcht in die allgemeine Gauckseeligkeit einstimmen.“ Und Du meinst, Gysi ist der richtige, um, diesen Leuten eine Stimme zu geben? Gysi ist für mich der letzte, der Kritik an Gauck Glaubwürdigkeit verleihen sollte.

    Du schreibst:
    „Was jedoch fatal ist, er verneint mit seiner Kritik am ‚fürsorglichen‘ Staat das Grundrecht eines jeden Einzelnen auf ein menschenwürdiges Existenzminimum.“ Was hat die Sicherung des Existenzminimums mit dem „fürsorglichen Staat“ zu tun? Ich glaube, Du verstehst etwas anderes unter einem „fürsorglichen Staat“ als Gauck. Wer die DDR wie Gauck erlebt hat, MUSS ein kritisches Verhältnis zum „fürsorglichen Staat“ haben, zu einem Staat, der fürsorglich alles bestimmt, in alles reinredet.

    1. Gregor Kochhan sagt: Antworten

      Wenn Gauck vom „fürsorglichen Staat“ spricht, meint er den Sozialstaat, sonst würde er die soziale Spaltung dieser Gesellschaft nicht leugnen.
      Eine soziale Spaltung mit Folgen, so die Financial Times Deutschland, linker Umtriebe unverdächtig:
      http://www.ftd.de/politik/international/:kolumne-thomas-fricke-nieder-mit-arm-und-reich/50129784.html
      Gibt es eigentlich schon eine Facebook-Gruppe „Grüne ohne Gauck“, nachdem die FDP- und SPD-gesteuerten Gruppen wie „Joachim Gauck als Bundespräsident“ oder „wir-fuer-gauck.de“ kräftig die Werbetrommel rühren?
      Zum Hintergrund der online-Kampagne pro Gauck:
      http://www.spiegelfechter.com/wordpress/2930/gauck-hype-welcher-gauck-hype
      Grüße
      Gregor

  7. Manfred Peters sagt: Antworten

    Gauck ist ein erzkonservativer Neoliberaler!
    -FDP die Einthemenpartei = Steuersenkung (für die Reichen), Gauck der potentielle Einthemenpräsident = Freiheit (statt Sozialismus)! –
    Da nutzt auch die kiloweise Kreide, die Gauck im Moment offensichtlich essen muss, um seinen durchgeknallten Mentoren (Gabriel, Özdemir) in gelegentlichen Interviews zu gefallen. Sieht oder hört denn keiner wie schwer es selbst Gauck fällt, so in Mikrofone und Kameras zu lügen?
    Da braucht es auch keinerlei Zitate anderer Politiker.
    Und wenn hier an anderer Stelle andere Meinungen als „Gemecker“ diskreditiert werden, wage ich es mal ausnahmsweise @ alle Pro-Gauck-Kommentare als „Geschwafel“ zu bezeichnen.
    Wer das Ganze aber etwas gelockerter, dem „Nichtsamt“ angemessen, betrachten möchte:
    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:das-letzte-blind-date-im-bellevue/50129155.html

  8. @Manfred: Gauck ist nach Ihrer Auffassung ein „erzkonservativer Neoliberaler“. Abgesehen davon, dass ich mir darunter nichts anderes vorstellen kann als eine ideologische Schublade, wollte ich Sie mal fragen, was denn ein „erzkonservativer Neoliberaler“ ist.
    Neben Sie es mir nicht übel, aber mein Verdacht ist, dass Sie sich bereits ein Urteil über Gauck gebildet hatten, bevor er auch nur den Mund aufgemacht hat.

    1. Manfred Peters sagt: Antworten

      Den „Neo“ vom Liberalen nehme ich zurück, denn mit diesem Attribut verbindet sich ja etwas Neues, Interessantes. Davon kann bei Gauck ja wohl keine Rede sein.
      Dass die Liberalen (FDP) eigentlich Gauck als ihren Favoriten sehen, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Aktuell haben sich schon 4 Wahlmänner der FDP dazu bekannt, Gauck zu wählen. Nicht zu vergessen die „Große Dame“ der FDP, Hildegard Hamm-Brücher, inzwischen dort zwar ausgetreten und von den Grünen als Wahlfrau für Gauck gewonnen. Jetzt aber bitte nicht argumentieren, dass Gauck nichts dafür kann, wenn ihm die Herzen der Liberalen zufliegen.
      Bleibt noch der „Erzkonservative“.
      Zugegeben, der Begriff ist im nicht eindeutig definiert. Er sollte verdeutlichen, dass Gauck keinerlei Idee für ein gesellschaftliches Gegenwarts- geschweige denn Zukunftsmodell anbietet. Die Konservativen machen sich wenigstens noch über die Bewahrung des Status quo Gedanken (siehe oben „Einthemenpräsident“ und der Hinweis von G. Kochhan zum FTD-Beitrag).
      Aber wie schon gesagt, der Bundespräsident soll ja nur repräsentieren. Doch auch mit dieser Aufgabe wäre er m. E. überfordert.
      Übrigens, wenn ich Ihnen etwas übel nehmen könnte, dann Ihre Naivität. Aber damit müssen Sie am Ende selber klarkommen. Vielleicht hat sie ja auch eine gewisse Schutzfunktion.

  9. […] ich in dem Beitrag “Gauck for President!?” noch gefragt, was Joachim Gauck als Kandidaten von SPD und Bündnisgrünen auszeichnet – und […]

  10. […] habe ein wenig mit mir gerungen, ob ich noch einmal einen Beitrag zu Joachim Gaucks Kandidatur zum Bundespräsidentenamt schreiben sollte. Zumal die Lebensleistung Gaucks und die Arbeit der nach […]

  11. Manfred Peters sagt: Antworten

    „Gebt die Wahl frei!“
    Biedenkopf (u. a. m.) fordert Ende des Parteizwangs
    http://www.focus.de/politik/deutschland/bundespraesident/bundespraesidenten-wahl-biedenkopf-fordert-ende-des-parteizwangs_aid_520334.html

    „Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf warnt davor, dass das Amt des Bundespräsidenten durch Machtpolitik beschädigt wird. Er hat eine klare Botschaft an CDU-Chefin Merkel.“

    Ja wenn das richtig sein sollte, müsste es doch auch für die Wahlfrauen und -männer von SPD und Grünen gelten. Wenn Willy Brandt nicht im Grabe kreiseln soll, dürften ca. 70 % der SPD ihre Stimme nicht für Gauck abgeben. Für die Grünen schätze ich das Abweichlerpotential auf ca. 30% ein. Grund: Die Grünen koalieren nicht nur mit den „Fundamentalen Gau(c)klern“ von der FDP. Sie lassen sich, wie im Falle Saarland, auch von der FDP alimentieren und sind sich in der praktischen Bundes- und Landespolitik in Wirklichkeit sehr nahe.
    Bleibt die Frage an die manipulierende und manipulierte Presse, warum thematisiert die Wahlfreiheit für alle Parteien keiner???

  12. […] diese Frage überhaupt relevant sein sollte, kann sie nur verneint werden. Gründe gegen Gauck gibt es viele. Der Spiegelfechter fasst […]

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.