„Strahlenproletariat“

nennt die Linke die wachsende Zahl von Leiharbeitern in deutschen Atomkraftwerken. Wie die Süddeutsche berichtet, werden in deutschen Kernkraftwerken […] in großem Umfang Leiharbeiter eingesetzt, um gefährliche Arbeiten zu erledigen. Dabei [seien] sie einer deutlich höheren Strahlenbelastung ausgesetzt als Stammbeschäftigte.

Ich sagte mal halb im Scherz, dass sich einige Grüne erst dann mit der Sozialpolitik nachhaltig ernsthaft auseinander setzen würden, wenn nachgewiesen sei, dass Armut und soziale Ausgrenzung Folge radioaktiver Strahlung sei. Bitte schön, liebe Leute, fangt an. Nochmal die Süddeutsche:

Die Jahresdosis für das gesamte Eigenpersonal beziffert die Bundesregierung auf insgesamt 1,7 Sievert, der Maßeinheit für die Strahlenbelastung. Bei den Fremdbeschäftigten sind es, für alle Personen zusammengerechnet, 12,8 Sievert. Fast 90 Prozent der Strahlendosen bekommen damit Leih- und Werkarbeiter ab, die Stammbeschäftigten nur etwas mehr als ein Zehntel. Daraus ergibt sich nach den Berechnungen der Linken, dass die Strahlenbelastung für das Fremdpersonal pro Person „im Durchschnitt fast doppelt so hoch ist wie die für das Eigenpersonal“.

Was war nochmal das Ziel der Hartz-Reformen? Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, erklärt es  uns. Aus dem zitierten SPON-Interview: Das Ziel der Hartz-Reform war es, den Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten.

Oder lassen wir den Oberreformer G. Schröder zu Wort kommen:

Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt…
 

5 Kommentare bei „„Strahlenproletariat““

  1. kann man die berechnungen der linken eigentlich irgendwo einsehen? wie man von 6000 leuten mit 1,7 Sv und 67000 leuten mit 12,6 Sv auf eine doppelt so hohe durchschnittliche strahlenbelastung der zweiten gruppe kommt würde mich doch interessieren.

    1. Gregor Kochhan sagt: Antworten

      Mehr als den Artikel bei sueddeutsche.de habe ich auch nicht…

    2. Manfred Peters sagt: Antworten

      Hier findet der interessierte Grüne/Bürger alle notwendigen Dokumente und Daten, ganz einfach!!!
      http://www.linksfraktion.de/kleine-anfragen/werk-leiharbeit-atomkraftwerken-deutschland/?rss

      Es sind auch nur Grundschulkenntnisse (Rechnen ca. 3. Klasse, DDR-Schule mit und ohne Pionierhemd für RAL ;-)) notwenig, um auf den angegebenen Wert zu kommen. Werte zu finden auf Seite 6 „Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage …“!

  2. Torsten Wierschin sagt: Antworten

    Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Emission von Lärm und Schadstoffen durch den automobilen Strassenverkehr seit Jahrzehnten die soziale Trennbewegung in stadtperipheren und innerstädtischen Wohngebieten antreibt.

    Die Öffentlichkeit nimmt es nicht zur Kenntnis, dass sich unsere Autostrassen längst zu modernen Fabrikhallen entwickelt haben, in und an denen die Menschen zu leben, zu wohnen, zu arbeiten etc. haben (ich empfehle dazu die Wolgaster bzw. Anklamer Strasse zwischen 16 und 17 Uhr fussläufig zu besuchen):

    Da der Lärmpegel und die Luftqualität u.a. den Mietpreis entscheidend beeinflussen, ist es eine Frage des Geldes, wie laut oder wie ruhig sprich wie gesund jemand wohnt. Das führt dazu, dass finanziell schlechter gestellte Bevölkerungsgruppen sich zunehmend in lauten und mit Autoabgasen verpesteten Wohngebieten konzentrieren, während sozial besser gestellte Schichten in ruhigere Wohngebiete ausweichen.

    Die Bekämpfung von Lärm- und Schadstoffemissionen ist somit eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, die für jede_n beantwortet werden muss.

  3. […] wie sagte Altkanzler Schröder bereits 2005 in Bezug auf die Agenda 2010: “Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. […]

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