Finanzielle Schieflage beim Greifswalder Radverkehr

Statt teurer „Super-Poller“ muss Radverkehr endlich entsprechend seines Anteils am Verkehr gefördert werden.

Ab dieser Woche wird der neue „Super-Poller“ an der Wiecker Brücke eingebaut und seine Technik berücksichtigt alle Eventualitäten, die dazu führen könnten, dass die Brücke ohne Sondererlaubnis mit Kfz überquert werden kann.
Kosten soll die gesamte Anlage 120.000 Euro. Dazu kommen noch die Überwachungskamera, die jüngst für 12.600 Euro installiert wurde und eine Handzettelaktion für diejenigen, die die Brücke regulär nutzen.
„Etwa 140.000 Euro wird uns also die Verbarrikadierung der Wiecker Brücke gegen den unerlaubten Kfz-Verkehr kosten“, rechnet Alexander Krüger vom Kreisvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vor. „Dabei geht es um ausgesprochen wenige Kfz am Tag, die ohne diese kostenpflichtige Sondererlaubnis die Brücke nutzen. Diese Ausgaben stehen in keiner vernünftigen Relation zu anderen, wirklich drängenden Infrastrukturmaßnahmen.“

Krüger verweist auf Projekte für die zentralen Achsen des Radverkehrs in Greifswald: „Die Diagonalquerung der Europakreuzung, die Umgestaltung der Kreuzung Rathenaustraße/Petershagenallee oder die Sanierung des Radweges am Hafen werden blockiert und auf die lange Bank geschoben. Bei jedem dieser Projekte ist der Teil, der den Fahrradverkehr betrifft, deutlich günstiger zu haben als der Super-Poller.“

„Wir sollten immer daran denken, dass der Radverkehr 44% der Verkehrsleistung in Greifswald ausmacht“, macht Krüger schließlich klar. „Dieser Anteil muss sich endlich auch in den Investitionsmitteln widerspiegeln. Derzeit erreicht die Förderung des Radverkehrs in allen Budgets der Stadt nicht annähernd diesen Anteil. Diese Schieflage auszugleichen muss erste Priorität haben.“

 

4 Kommentare bei „Finanzielle Schieflage beim Greifswalder Radverkehr“

  1. Das Verkehrsklima auf der Brücke ist in der Zeit ohne Poller zum Gesetz des Stärkeren verkommen. In der Spielstraßenzone herrschte reger Durchgangsverkehr auch Richtung Stralsund. Der uralt Poller hat seine Aufgabe recht gründlich gemacht, der alte Neue hat in der Summe mehr Autos ohne Berechtigung passieren lassen, da er knapp dreizig Mal umgefahren wurde und jedes Mal langwierig ersetzt werden musste. Nun also der Super-Poller, ich bin gespannt wie lang er hält und wie lang es dauert einen Neuen zu beschaffen. Die derzeitige Situation auf der Brücke war jedenfalls unerträglich; vielleicht könnte eine Sperrung der Brücke für fossilen Verkehreine preisbewusste Lösung sein?

  2. Nun muss man bedenken, dass in Wieck und Ladebow auch noch Menschen wohnen, die viele Wege eben doch mit dem Auto erledigen müssen.Der Umweg durch die Stadt (10 km) ist auch nicht sehr umweltfreundlich. Wenn dann die neue Polleranlage durchhält, reichen die Einnahmen aus, um innerhalb von 15 Jahren die Brücke neu zu errichten (65.000,00 €*15 Jahre=975.000,00 €). Darauf wird unsere Hansestadt nicht verzichten können und wollen. Sollten die Einnahmen noch höher sein (einfach hinterherfahren geht dann ja nicht mehr), bliebe vielleicht noch Geld für Fahrradwege und sonstiges zusätzlich übrig. Ob allerdings das Geld dafür eingesetzt wird, entscheiden eben andere

  3. Stefan Fassbinder sagt: Antworten

    Wir sind weder für eine Sperrung der Brücke noch für freie Fahrt ohne Poller. Die Zustände in den letzten Monaten waren tatsächlich unerträglich.
    Wir fragen uns nur, ob 140.000 Euro angemessen sind, oder ob man nicht andere Lösungen hätte finden können. Bei der Diagonalquerung regt man sich über die Kosten von rund 30.000 Euro auf, hier wird das Vierfache achselzuckend hingenommen.

  4. Vor einigen Jahren habe ich die ersten Videos über Autofahrer auf youtube gesehen, die gegen Poller fahren auf. Dabei dachte nur, wie blöd muss man eigentlich sein.

    Wenn ich nun höre, dass gegen unseren Poller schon insgesamt 29 Fahrzeuge gefahren sind, bleibt nichts anderes übrig als einen Super-Poller aufstellen.

    Bezüglich der Kosten: Fahren weitere Fahrzeuge gegen unseren Poller, so wird sich dieser sehr schnell rechnen. Bei jedem Schaden wird die Versicherung den enstanden Schaden begleichen müssen, so dass durch die Erstattung des Schadens der Super-Poller schnell bezahlt ist.

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