Oha – Nestlé eröffnet ein Kaffeepresswerk, und alle sind begeistert!

Die OZ meldet:

Bundeskanzlerin Angela Merkel legte gestern in Schwerin den Grundstein für ein Nestlé-Werk, das ab 2014 Milliarden Kapseln fertigen soll. Als Erfolg darf eine Ansiedlung dieser Dimension im industrieschwachen ostdeutschen Norden in jedem Fall gefeiert werden. Das 220 Millionen Euro teure Werk, das 450 Arbeitsplätze bieten wird, gilt als größte Einzelinvestition in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990. 22,5 Millionen Euro steuerte das Land an Subventionen bei. […] Und sie liegt „praktisch vor der Haustür des Hamburger Hafens, einem der wichtigsten Rohkaffee-Umschlagplätze der Welt“, wie Bundeskanzlerin Merkel es ausdrückte. Über Autobahnen ist Hamburgs Hafen in einer Stunde erreichbar, der von Wismar sogar noch schneller.

Dazu gibt es einen wunderbaren Beitrag im „futterblog„:

Nestlé kam als erster auf die Idee mit dem portionierten Kaffee – in den Achtzigern. Da war aber die Zeit noch nicht reif, es regierten die Ökos. Wenn da ein Schweizer Großkonzern einen Laden mit Teakholz-Theke in Deutschland aufgemacht hätte, wäre er von Umweltaktivisten in die Luft gesprengt worden. Heute ist das Geschäft mit den Kapseln ein Milliardengeschäft. […]
Ich frage den Verkäufer, was so eine Stange mit Kapseln kostet. „10 Kapseln ungefähr 3,50 Euro!“ Ich überschlage im Kopf: Das heißt also 35 Cent pro Stück. Bei circa 6 Gramm Kaffee pro Kapsel. […] Sind die Jungs irre? Für 60 Euro bekomme ich wilden, handverlesen Dschungel-Kaffee mit Öko-Premium-Siegel, der so fair gehandelt wurde, dass ein äthiopischer Kaffeesammler seine Kinder in Berlin Theaterwissenschaften studieren lassen kann. […]
Ich habe gelesen, zur Gewinnung von 1 Tonne Primäraluminium werden 13000kWh Strom und 57m³ Wasser gebraucht. Dabei fallen jährlich Millionen Tonnen von Rotschlamm an. Das war das Zeug, das im Jahr 2010 in Ungarn die Flüsse vergiftete und Millionen Fische zur Strecke brachte. […] Außerdem werden beim Recycling von Aluminium pro Tonne auch immerhin 1300 kWh und 1,7m³ Wasser verbraucht. Und das ist angesichts der Tatsache, dass normale Maschinen überhaupt kein Aluminium zum Kochen von Kaffee benötigen, doch relativ viel – oder etwa nicht?

Der ganze, sehr lesenswerte Artikel hier!

Wer feiert da was? Im widerstandslosen Nordosten wird ein Werk angesiedelt, das sonst keiner haben will, das ein Zeug herstellt, das eigentlich keiner trinken sollte, und das umweltzerstörerisch wirkt wie kein anderes Industriewerk in MV – und das sowohl durch den verwendeten Rohstoff (Aluminium; Kaffee ist in den Kapseln ja kaum drin) und die Erhöhung des Autoverkehrs um Schwerin.

Glückwunsch! Funktioniert natürlich nur mit dem Totschlagargument „Arbeitsplätze“. Hat mal jemand nachgefragt, wieviele Arbeitsplätze von den versprochenen 450 mit dem Werk für Hiesige geschaffen werden?

Damit auch alle glücklich eingelullt sind, bringt die OZ noch ein bißchen Werbung für die Kapseln im redaktionellen Teil:

Kaffee aus Kaffeekapseln erzielen die höchsten Zuwächse
Kaffee aus Kapseln und Pads findet immer mehr Anhänger in Deutschland. Kaffeekapseln erzielten dabei die größten Zuwachsraten. Von 2010 auf 2011 gab es nach Zahlen des deutschen Kaffeeverbandes ein Plus von rund 30 Prozent auf 6650 Tonnen.

Na, dann sind wir in MV (Erwin darf strahlen) ja endlich einmal rechtzeitig auf das Trittbrett der wirtschaftlichen Entwicklung gesprungen!

Oder? Warten wir’s ab…

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4 Kommentare bei „Oha – Nestlé eröffnet ein Kaffeepresswerk, und alle sind begeistert!“

  1. Gut gemacht! Allerdings Arbeit erledigt, die Redakteuren in Medien wie dem selbsternannten Hochwertblatt OZ zusteht. Das Blättle kniff jedoch wie gewohnt – behördengläubig und unternehmerfreundlich – und ließ sich für den Jubelartikel von den Zeitungskäufern bezahlen.

    Einverstanden bin ich jedoch nicht mit der Kammschererei in der Schlagzeile des Blogeintrages, denn zumindest die Greifswalder Grünen kritisieren die Unternehmensansiedlung, und ich habe auch Jubelfreies angemerkt:
    http://ostsee-zeitung-blog.blogspot.de/2013/06/alles-ist-guuuut.html

    1. Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern
      *************************************************************************

      Pressemitteilung
      Nr.: 163/2013
      Datum: 31.05.2013

      Grüne: Unternehmenspolitik von Nestlé kritikwürdig

      Dr. Ursula Karlowski: „Globaler Lebensmittelkonzern operiert zum Schaden von
      Mensch und Umwelt.“

      Aus Anlass der heutigen Grundsteinlegung einer Fabrik für Kaffeekapseln des
      Nestlé-Konzerns in Schwerin äußert sich die agrar- und umweltpolitische
      Sprecherin der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Dr. Ursula
      Karlowski:
      „Mag es auch aus arbeitspolitischer Sicht verständlich sein, dass die Ankunft
      von Nestlé in Mecklenburg-Vorpommern von etlichen Arbeitnehmerinnen,
      Arbeitnehmern und Zulieferfirmen unseres Bundeslandes begrüßt wird, so darf
      nicht aus dem Blickfeld geraten, welche Unternehmenspolitik der global
      operierende Lebensmittelkonzern betreibt. Nestlé setzt sich weltweit für die
      Privatisierung von Wasser ein. Führende Vertreter des Unternehmens bezweifeln,
      dass es ein Menschenrecht auf Trinkwasser gibt. Im Trinkwasser sehen sie vor
      allem einen globalen Markt. Diese Sicht schadet vielen Menschen, zum Beispiel
      in Pakistan, die unter den hohen Grundwasserentnahmen von Nestlé leiden.“

      Auch aus umweltpolitischer Sicht ist nach Auffassung der bündnisgrünen
      Landtagsfraktion die Produktion von Kaffeekapseln kein Ausdruck ökologisch
      nachhaltiger Wirtschaft. So werden die Kapseln aus Aluminium hergestellt –
      einem energieintensiv produzierten Rohstoff, für dessen Herstellung Regenwald
      abgeholzt wird und dessen Produktion giftigen Schlamm hinterlässt. Dieses
      Aluminium endet zu einem großen Teil im Hausmüll. Derzeit wird etwa nur ein
      Viertel der Kapseln wieder dem Recycling zugeführt.

      Dr. Ursula Karlowski:
      „Wir können Verbraucherinnen und Verbraucher nur vor diesem teuren und
      unökologischen Kaffee-Kapselsystem warnen. Es wird im Fall von Nestlé außerdem
      weder als ‚Bio‘- noch als ‚transfair‘-Ware angeboten. Eine umweltgerechte und
      menschenwürdige Produktion des Kaffees in den Produktionsländern ist also nicht
      gewährleistet. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Konkurrenzprodukte, die
      nach Nachhaltigkeitskriterien unter dem ‚transfair‘- und dem ‚Bio‘-Siegel
      produzieren, die auf Pestizide verzichten und gerechte Löhne zahlen.“

      ***************************************************
      Dr. Ursel Karlowski, MdL
      Sprecherin für Landwirtschaft, Naturschutz,
      Umwelt und Verbraucher
      BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
      Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern
      http://www.ursel-karlowski.de

  2. BZGL NESTLE in SCHWERIN jetzt ist es zu spät das Werk wird gebaut. Darüber hätte man früher nachdenken sollen !! Man sollte in Zukunft genau hinschauen wer in MV investiert und sich ansiedelt !!

  3. stephan martini sagt: Antworten

    Nicht nur Jubel über Nestlé in schwerin. Die tot geschwiege neoliberal-kritische auf nachhaltige stadtpolitik ausgerichtete Wahlergemeinschaft [ASK] stellt sich öffentlich gegen Nestlé. Wer bottled life gesehen hat, weiß das Nestlé schon einmal unter dem Vorwand Kaffee herzustellen, eine andere Quelle zur Geldschöpfung genutzt hat. Wasser. Schwerin als Stadt der Seen, mit einer der besten Trinkwasser vorkommen Europas, liesse sie beizeiten hervorragend leerpumpen. Die Aktion stadt und kulturschutz stellt sich so gut es geht gegen den Ausverkauf der Stadt. Wir haben es geschafft, mit unserer kritischen Bewegung einen Platz in der schweriner Stadtvertretung zu bekommen. Wir brauchen Rückhalt und Unterstützung wo wir sie bekommen können. Schwerin darf nicht zu eldorado für Nestlé werden. Ask-schwerin@mail.de wer uns unterstützen mag, unbedingt melden!

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