Theater-Debatte im Kulturausschuss

Frauke Fassbinder

Gestern gab es im Kulturausschuss eine lange Debatte zur Zukunft des Theaters Vorpommern. Der Intendant des Theaters, Herr Löschner, stellte sein Konzept zur Zukunft des Theaters vor. Wir ließen unser Alternativmodell diskutieren und schließlich gab es noch eine interessante Abstimmung in Vorbereitung der Regionalkonferenz zur Zukunft der Theater im Ostteil des Landes.

Die außergewöhnlich lebhafte Diskussion sowohl zum Konzept des Intendanten als auch zu unserem Vorschlag fand ich großartig. Denn es ist längst an der Zeit, dass endlich wieder Bewegung in die Debatte kommt.
Man merkte, dass der Kulturausschuss dafür auch das richtige Forum ist. Am Tag zuvor gab es im Finanzausschuss zur Vorstellung unseres Modells leider keine Diskussion, sondern nur Ablehnung durch den Dezernenten, Herrn Dembski. Dieser war im Kulturausschuss nicht anwesend, ließ aber einen Text verteilen, in dem er sich gegen das grüne Modell ausspricht und „aus Sicht der Verwaltung  bevorzugt, eine Struktur zu finden, die dann auch in Zukunft von den Gesellschaftern voll ausfinanziert werden kann.“ – Wie diese aussehen soll, ließ er in seinem Schreiben offen.

Das ist auch etwas, das wir in der von uns angeregten Alternativ-Debatte vermissen: weitere Alternativmodelle anderer Fraktionen oder auch des Theaters selbst. Denn das Konzept des Intendanten zieht sich schlussendlich auch darauf zurück, dass die von Metrum vorgeschlagene Fusion der beste aller Tode ist – aber offenbar alternativlos zu sein scheint. Das Kaninchen „Theater“ soll also weiterhin vor der Schlange „Fusion“ sitzen bleiben – und letztlich gefressen werden.

Wir sehen das auch nach der gestrigen Diskussion noch immer nicht so. Keiner der vorgetragenen Kritikpunkte brachte unser Modell wirklich zum Kippen.

Drei Dinge waren und sind uns besonders wichtig:
1. Das Bekenntnis der Stadt zu einem eigenständigen Theater.
Das ließen sich nicht alle Fraktionen entlocken. Als es zum Schwur bzw. zur Abstimmung über die Frage kam: „Wer möchte die Fusion?“, gab es ein klares Patt:
5 x ja, wir möchten die Fusion (FDP, SPD, AfD, KfV)
5 x nein, wir möchten die Eigenständigkeit (Grüne, Linke, AL)
4 x wir haben keine Meinung (Piraten, CDU, BL)

2. Die Bereitschaft, die Mittel zu dynamisieren – nicht nur als Lippenbekenntnis, sondern auch untermauert durch eine Gegenfinanzierung.
Das haben wir mit unserem Antrag getan und es soll ein starkes Zeichen Richtung Schwerin sein. Vielleicht gelingt es uns damit, das Land doch ebenfalls zu einer Dynamisierung vor 2020 zu bewegen.
Das Abstimmungsergebnis zu dieser Frage war phantastisch.
Die Frage: Wer kann sich vorstellen, dass Greifswald seine Zuschüsse erhöht? erbrachte sensationelle 10 x Ja (!) bei 4 Enthaltungen (KfV, FDP, 1xCDU, AfD).
Alleine schon für dieses Abstimmungsergebnis hat sich die Diskussion im Ausschuss gelohnt.

3. Die Miteinbeziehung der Theaterbelegschaft
Auch gestern wussten sehr viele Menschen im Ausschuss schon, was sich die Theaterbelegschaft wünscht: nämlich den vollen Flächentarifvertrag mit Tarifsteigerungen ab 2017 – auch wenn dafür möglicherweise 102 Stellen abgebaut werden müssen.
Vielleicht ist das so – vielleicht aber auch nicht.
Wir haben eine Alternative aufgemacht und wollen, dass diese jetzt den Mitarbeiter_innen neben der Fusion mit Stellenabbau zur Diskussion gestellt wird. Ein Punkt unseres Antrags lautet daher ganz bewusst: Der Intendant soll Verhandlungen mit den Beteiligten und Gewerkschaften aufnehmen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen und der Gespräche mit der Theaterbelegschaft sollte dann unbedingt bei der Entscheidung zur Zukunft des Theaters berücksichtigt werden.

Wir haben unseren Antrag nicht abstimmen lassen. Die hier zitierten Abstimmungen erfolgten in Vorbereitung der Regionalkonferenz zu den Theatern im Ostteil des Landes, die am 10.12., 17 Uhr im Rathaus Greifswald stattfinden soll.
Wir werden es nicht zuletzt von weiteren Gesprächen in den kommenden Wochen  abhängig machen, ob und in welcher Form wir unseren Antrag im Januar, wenn die Entscheidung zum Theater fallen muss, wieder einbringen werden.

 

 

 

Bildquellen

  • Frauke Fassbinder – Porträt: Bildrechte beim Kreisverband

5 Kommentare bei „Theater-Debatte im Kulturausschuss“

  1. Hallo liebe Grünen,

    eine Anmerkung zu den gestrigen Meinungsbildern:

    Ihr schreibt, dass das erste Meinungsbild – Die Frage ob man eine Fusion der Theater- und Orchesterstrukturen befürwortet – mit dem Ergebnis 5/5/4 ausgegangen ist wobei die Enthaltungen als „wir haben keine Meinung“ zu deuten ist.

    Ich kann zwar nicht für die wortkargen Kollegen der CDU sprechen aber ich habe mich enthalten, weil ich glaube, dass wir eine endgültige Position zu den Fusionsplänen erst dann finden können, wenn wir nach der Regionalkonferenz wissen, wie sich die anderen kommunalen Vertretungen positionieren. Natürlich schmecken mir die Fusionspläne des Landes, vorgeschlagen durch METRUM, überhaupt nicht – vor allem der Stellenabbau mit insgesamt 102 Stellen. Aber wenn wir es nicht schaffen, die anderen kommunalen Vertretungen auf den Standpunkt zu bringen, ihre Zuschüsse früher zu dynamisieren werden wir auch als Stadt Greifswald die strukturellen Probleme des TVP nicht alleine lösen können. Inwieweit wir dann eine Eigenständigkeit garantieren können, ist für mich aktuell sehr fraglich. Darüber hinaus gibt es noch gravierende Differenzen zu den Analysen von euch, dem Intendanten und dem Gutachten von METRUM.

    Ich habe mich gestern übrigens ziemlich klar zu eurem Antrag geäußert und ihn als guten Vorschlag für die weiterführenden Diskussionen bezeichnet.

    Beste Grüße

    Milos Rodatos

  2. Ich möchte hier zwei Dinge korrigieren:
    1. Im Finanzausschuß gab es nicht nur Ablehnung durch den Dezerneten, sondern auch grundsätzliche Befürwortung des weiteren Nachdenkens über Alternativen, insbesondere durch die Bürgerliste. Dabei kamen natürlich die Schwachpunkte des Grünen Papiers zur Sprache, beispielsweise die Diskrepanz zwischen einer geforderten 2% Dynamisierung und gleichzeitigen 2,5% Personalkostensteigerungen oder der berechtigten Frage, wie nach diesem Modell eine Annäherung an den Fächentarif möglich sein soll. Hinzufügen möchte ich, daß Tarife Sache der Tarifparteien sind, nicht der Politik – wir also bestenfalls Szenarien beschreiben können, unter denen eine Alternative möglich würde, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Das darf uns natürlich nicht daran hindern, weiter nachzudenken – dafür Danke an die Grünen/B90.
    2. In diesem Beitrag wird der Eindruck erweckt, die Bürgerliste hätte „keine Meinung“. Das ist ganz und gar nicht so. Ein Bekenntnis zu der einen oder einer anderen Variante setzt aber ein belastbares Zahlenwerk voraus – das bislang für keines der Modelle erkennbar ist. Das einzig Klare ist, daß es so wie derzeit nicht weiter gehen kann, da dann das Theater mit hoher Geschwindigkeit gegen die Wand fährt.

    Wenn eine Alternative zur Abstimmung vorgelegt werden soll, muß sie einer Prüfung in den Details standhalten können. Reine Willensbekundungen und grobe Schätzungen werden sicher nicht ausreichen.

    1. Frauke Fassbinder sagt: Antworten

      Lieber Markus, lieber Milos,
      danke für Eure Kommentare. Es ist umso besser zu lesen, dass das gestrige Votum zur Frage: Fusion – ja oder nein? zumindest noch kein endgültiges Bild der Meinung von Piraten und Bürgerliste wiederspiegelt. Wir werden gerne versuchen, Euch weiter von unserem Modell zu überzeugen. Das haben wir in den Ausschüssen ja bereits versucht und gestern auch die Fragen aufgegriffen, die Du, Markus, gestellt hast.
      Ich habe auch registriert, dass Du, Milos, dem Modell nicht ablehnend gegenüber standest. Umso verwunderter war ich daher aber auch über Dein Votum bei der Abstimmung.
      Der blog ist für eine Detaildebatte wohl nicht das richtige Forum – vielleicht stattdessen die Regionalkonferenz.
      Auf jeden Fall ist es gut, dass die Debatte weitergeht.

      1. Eine Erhöhung der Personalkosten (80 % der Gesamtkosten lt. Intendant) um 2,5 % ergibt eine Steigerung der Gesamtkosten (100 %) von insgesamt 2 %.
        Die Steigerung der Sachmittel erfolgt lt. Intendant durch Steigerung der Einnahmen.
        Eine Dynamisierung der Trägermittel um 2 % erscheint mir also als gerechtfertigt und ist nicht nur „eine grobe Schätzung“.

        In unserem Diskussionsvorschlag fordern wir ausdrücklich, dass der Intendant seine Mitarbeiter zu den Alternativen befragen soll. Bisher hat er dies nicht gemacht. Oder kann sich jemand ernsthaft vorstellen das die Mitarbeiter das METRUM-Modell befürworten?
        Ebenso ist es für uns selbstverständlich, dass Tarife durch die Tarifpartner ausgehandelt werden. Planen muss man jedoch in Modellrechnungen trotzdem irgendetwas. Daher setzen wir auch Steigerungen an, die durch Durchschnittsberechnungen der letzten 10 Jahre zu belegen sind (seit 2006 jährliche Steigerung um 2 %).

  3. Liebe Mitstreiter, die Mitarbeiter des TVP haben sich bis jetzt mit ihrem Lohnverzicht für den Erhalt des Theaters (und dessen Eigenständigkeit) bereiterklärt. Das TVP schreibt aktuelle noch schwarze Zahlen = also ist diese Fusion ein Erfolg gewesen. Die noch größere Fusion lt. Metrum (Sellering+Brodkorb) soll nun Strukturen integrieren, die an sich schon defizitär sind. Das würde ein Unternehmen nie machen, da würde man darauf dringen, diese erst zu sanieren.
    In der ganzen Diskussion ist man noch nie auf den Gedanken zu kommen, hier neue Unternehmensmodelle einzusetzen. Vielleicht sogar Beteiligungsmodelle, in denen dien Mitarbeiter beteiligt sind. Dann hätte zumindest der Lohnverzicht für den Mitarbeiter einen Sinn.

    Übrigens alles nachzulesen bei Kommentaren in der OZ.
    Eine Kontaktaufnahme zu Frau Steffens und Herrn Suhr gestaltet sich als äußerst zäh.

    Mit den besten Grüße Dr. Meiss

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.