Was ist Sozialdemokratische Politik FÜR Vorpommern?

Nach gut zwei Jahrzehnten SPD-Führung des Bundeslandes ist eindeutig, welche Ent_wicklung_sziele die Landes-Sozialdemokratie in Mecklenburg-Vorpommern verfolgt.

Ich spreche lieber von Ein_wicklung_szielen, denn in M-V wird Landesentwicklung nur für oder gegen oder wegen  des „Demografischen Wandels“ gemacht. Daneben gibt es nichts.

Ich lehne diese Kategorie als Rahmenparameter wegen seiner biologistischen Konnotation — Menschen werden bei staatlichen Steuerungsprozessen zunächst auf ihr Alter angeschaut, was verfassungswidrig ist — ab.

Sozialdemokratische Zukunftspolitik stand seit dem NEW-DEAL in Amerika  in einer Phase der ökonomischen Depression / Deflation schon immer auf zwei Säulen:

Säule 1. Die Ursachen für die wirtschaftliche Depression müssen im eigenen Land gefunden werden. Starke, konservative Kräfte erkennen das meist nicht an und suchen „die Schuld meist bei den Anderen“. Jetzt ist es das Alter, die internationale Konkurrenz, die überbordende Bürokratie, die Migration, der Klimawandel usw. usf.

Säule 2. Die Konzentration von wirtschaftlicher Macht in großen Konzernen macht eine Verstärkung staatlicher Regulierung erforderlich.

Es ist toll, dass die Norddeutsche Sozialdemokratie die erste Säule schon 50 Jahre vor den Amerikaner_innen entdeckte. Da hieß es bereits: „Den nur erwarten Täuschungen auf dieser Erde, der das Glück außer sich selbst sucht, der den Gütern des Lebens einen so hohen Preis setzt, daß er sie auf Kosten seiner Ruhe zu erringen sucht.“ Von wem stammt diese Erkenntnis? Senden Sie mir gern Ihre Antworten zu 🙂 Ein Hinweis: Auch in Nordostdeutschland wurde schon früh und gut gedichtet.

Zur Säule 2 und den Besitz- und Erwerbsstrukturen im Ländervergleich:

Bei der Anzahl der landwirtschaftlichen Großbetriebe mit mehr als 200 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche (LNF) nimmt Mecklenburg-Vorpommern bundesweit die Spitzenposition ein:
Landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 200 Hektar nach Bundesländern, 2010
Landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 200 Hektar nach Bundesländern, 2010
In MV verfügen 341 Betriebe mit mehr als 1000 Hektar über 40 Prozent der LNF. Zur Verdeutlichung: Über 10.000 Hektar LNF verfügt die KTG Agrar AG, der insolvente Betreiber der Anklamer Ölmühle. Das entspricht einer Fläche eines Quadrats der Seitenlänge von 10 Kilometern.

Nehmen wir mal an,  jeder dieser Betriebe hätte nur eine Geschäftsführer_in. Dann bestimmen in MV lediglich 341 Menschen, was auf ca. 35 Prozent der Fläche unseres Bundeslandes geschieht. Das ist schlicht undemokratisch.

Beim Arbeitskräftebesatz ist Mecklenburg-Vorpommern mit ca. einer Arbeitskraft je 100 Hektar bundesweites Schlusslicht. Der Durchschnitt liegt bei 3 Menschen je 100 Hektar.

Arbeitskräftebesatz je 100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, 2010
Arbeitskräftebesatz je 100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, 2010
Das ist sicherlich nicht sozialdemokratisch. Über die Lohnsituation in der ostdeutschen Agrarindustrie, die die Landes-SPD maßgeblich zu verantworten hat, lesen Sie hier.

Wie lassen sich die gemachten Behauptungen nachprüfen? Hinweise: MV hat ca. 23.000 Quadratkilometer Fläche, die LNF Anteil beträgt etwa 2 Mio. Hektar. Senden Sie mir gern Ihre Lösung zu 😉

Der Beitrag enthält bereits Schlüsselparameter, an der sich BÜNDNISGRÜNE Agrarpolitik messen lassen muss.
Gern können Sie mir Ihre Stimme am 4. September geben. Ihr Dr. Torsten Wierschin

Bildquellen

  • Landwirtschaftliche Betriebe > 200 ha nach Bundesländern 2010: http://docplayer.org/5896427-Gegenwaertige-strukturen-und-entwicklungstendenzen-in-der-brandenburger-landwirtschaft-im-laendervergleich.html

6 Gedanken zu „Was ist Sozialdemokratische Politik FÜR Vorpommern?

  1. Ähm, was ist das Ziel dieser wirren Abhandlung über Betriebsgrößen in Mecklenburg-Vorpommern?? Dass die SPD Gelder der 1.Säule auszahlt und wir als Grüne große Betriebe doof finden? Ich möchte dazu aufrufen, vernünftige Dinge im Rahmen der agrarpolitischen Debatte vorzutragen. Der Text oben ist leider hochgradiger Unsinn. Ich würde empfehlen, den Text ganz schnell zu löschen. Der Arbeitskräftebesatz je Hektar sagt nichts über die Förderwürdigkeit eines Betriebes aus. Das ist hochgradiger Unsinn. Wer einen solchen Ansatz verfolgt, wird kleine Schweinemastbetriebe mit hohem Nährstoffpotenzial je Hektar und intensive Gartenbaubetriebe mit hohem Pflanzenschutzmitteleinsatz fördern. Ich glaube nicht, dass das mit grüner Programmatik vereinbar ist. Also bitte: Erst denken, dann über Agrarpolitik schreiben!

    1. Hallo SL:

      Der Schluss: Aus hohem Arbeitskräftebesatz je Hektar folgt der intensive Gartenbau mit hohem Pflanzenschutzmitteleinsatz, erschließt sich mir nicht, wenn wir gleichzeitig u.a. gegen Glyphosat sind?

      Der Schluss: Aus hohem Arbeitskräftebesatz je Hektar folgt der kleine Schweinemastbetrieb mit hohem Nährstoffpotenzial, erschließt sich mir nicht, wenn wir gleichzeitig für Belange des Tierschutzes und artgerechter Haltung nach Kriterien der Biobranche eintreten und das Grund- und Flusswasser mit Gülleausbringevorgaben o. -katastern schützen wollen? Denken Sie da an einen Betrieb je Hektar?

      Bitte erläutern Sie mir auch: „Der Arbeitskräftebesatz je Hektar sagt nichts über die Förderwürdigkeit eines Betriebes aus.“ In einer von Ihrer Webseite verlinkten Datei http://www.boelw.de/uploads/media/BOELW_ZDF_2015_web.pdf#page=12&zoom=130,323,66 findet sich der Satz: „Vergleichbare konventionelle Betriebe erzielten im WJ 2013/14 im Durchschnitt ein Unternehmensergebnis von 55.769EUR und einen Gewinn plus Personalaufwand je AK von 36.255EUR. Damit übertraf das durchschnittliche Einkommen der konventionellen Vergleichsbetriebe das Einkommen der Öko-Betriebe um rund 3.250EUR bzw. 10 Prozent. Ein Grund hierfür war die überproportionale Zunahme des Arbeitskräftebesatzes und des Personalaufwandes bei den Öko-Betrieben.“ Hoher Arbeitskräftebesatz schmälert den Gewinn um rund 3.250EUR. Ist das für Sie eine gute oder schlechte Nachricht?

  2. Hallo Thorsten,

    ich beschäftige mich seit ca. 10 Jahren mit dem Thema Ökolandbau und kenne die Statistik des BÖLW gut, auch die von 2016 (http://www.boelw.de/fileadmin/Veranstaltungen/BIOFACH/ZDF/BOELW_ZDF_2016_web.pdf) , in der dann mal die Ökobetriebe wieder höhere Einkommen hatten. Wenn Du dazu lesen willst, auf meinem Blog schreibe ich regelmäßig darüber: https://slakner.wordpress.com/2016/02/10/oekolandbau-2015-weiterhin-konstantes-wachstum-der-biobranche/

    Für die Förderung des Ökolandbaus gibt es viele umweltpolitische und volkswirtschaftliche Gründe, das unterstütze ich zu 100%. Nur plädiere ich dafür, dies unabhängig von Betriebsgrößen zu machen und eine Förderung schon gar nicht mit dem Arbeitskräftebesatz zu koppeln. Dies ist vor einigen Jahren mal sehr massiv von der AbL in unsere Partei getragen worden und diese Modelle sind hochgradig problematisch.

    Vielleicht hätte ich meinen Punkt besser erklären müssen: Wenn wir die Förderung mit dem Arbeitskräftebesatz verknüpfen, dann kommt dabei eine stärkere Förderung von Gartenbau und konventionelle Schweinemast-Betrieben heraus. Das hat strukturelle Gründe. Man kann zumindest für Niedersachsen belegen, dass in den intensive Schweinemast-Regionen massive Nährstoff-Überschüsse existieren. Und merke: Das sind flächenmäßig eher kleine Betriebe. Andererseits gibt es im Osten auch viele große Ökobetriebe, die sehr vorbildlich wirtschaften. Wer mehr zu diesem Irrweg AK-Modell lesen will: https://slakner.wordpress.com/2012/03/06/warum-das-ak-modell-ein-agrarpolitischer-irrweg-ist/

    Daher nochmal mein Plädoyer:
    1.) Priorität auf den Ausbau von Agrarumweltmaßnahmen und die Entwicklung funktionierender Tierschutzförderprogramme. Hier gibt es viel zu tun, gerade in McPomm!

    2.) Ausarbeiten eines sozialpolitischen Programmes, das den Namen verdient. Die AbL fordert hier immer, allerdings hat sie es in den letzten 25 Jahren versäumt, hier wissenschaftlich belastbare Fakten zu präsentieren, wie die soziale Situation von Landwirten wirklich ist. Zum Einkommen der Betriebe gibt es zwar Hinweise, aber nicht zur Einkommenssituation von Landwirte-Familien, also v.a. wie die Zuverdienstsituation ist. Das ist aber entscheidend. Des weiteren haben wir keine Hinweise auf die Vermögenssituation von Landwirt*innen. Insofern gibt es mehr Fragen und Antworten. Und eine Kooperation mit der Gewerkschaft findet nach meiner Wahrnehmung auch nicht statt. Insofern müssen hier zunächst Grundlagen erarbeitet werden, bevor man so tut, als könne man Probleme lösen.

    3.) Es ist nicht sinnvoll, sich zu lange mit Strukturdebatten aufzuhalten. Man kann überlegen (wie Christian Meyer) ein Verzeichnis von Pachtverträgen (analog zur Mitpreisbremse) zu machen, aber das wird (wie die Mietpreisbremse) wohl langfristig kaum etwas ändern. Aber das wäre zumindest ansatzweise rational, wird aber auf harten Widerstand stoßen und ist auch nur teilweise mit unserer sonstigen Wirtschaftsverfassung kompatibel. Und auch bei der Bodenmarkt-Debatte wird aktuelle Forschung ignoriert, die zeigt wie der Pacht- und Käufermarkt wirklich funktioniert.

    Fazit: Man kann natürlich zeigen (wie in dem Text oben), dass die Betriebe in McPomm größer sind und mit geringerem AK-Besatz arbeiten. Das ist zwar nicht neu, aber bitte. Aber ein solcher Text bringt für die agrarpolitische Debatte nichts, weil man m.E. daraus überhaupt nichts ableiten kann. Es gibt keinen Ansatzpunkt, Größenstrukturen zu ändern, es sei denn, man tickt kommunistisch und möchte Boden enteignen. Davon würde ich abraten, das ist mit unserer sonstigen Verfassung nicht vereinbar und es würde auch niemand auf einen solchen Gedanken kommen. Nur bei der Landwirtschaft kommt diese Diskussion leider immer wieder auf. Dabei gibt es Größenunterschiede auch in anderen Branchen.

      1. Hallo Thorsten,

        ich sage ja nicht, dass man bei berechtigtem Interesse nicht auch enteignen kann. Aber eben bei „berechtigtem Interesse“, nicht bei einem „Verdacht“, große Betriebe könnten evtl. bei öffentlichen Leistungen schlechter abschneiden – was sich dann noch als Trugschluss erweist.

        Ich habe nochmal genau aufgeschrieben, warum große Betriebe nicht automatisch negativ zu bewerten sind: https://slakner.wordpress.com/2016/09/15/small-is-beautiful-in-der-agrarpolitik-leider-ein-irrtum/

        Wir sollten unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, den Betrieben vernünftige Anreize im Bereich Umwelt- und Tierschutz zu geben und ansonsten aus der Förderung weitestgehend aussteigen, denn dann vermeiden wir auch die Ungerechtigkeit, dass große Betriebe einen Großteil der Fördergelder bekommen. Das darf nur so sein, wenn ein großer Betrieb entsprechend leistet. Ich hoffe, es wird deutlich, worum es mir geht.

        1. Hallo Sebastian,
          immerhin haben wir jetzt eine sachliche Diskussion 😉

          Statt Statistiken zur Weidehaltungsverteilung
          in Abhängigkeit der Betriebsgröße zu studieren und daraus Ableitungen
          für die „tierfreundlichste“ Form zu finden, würde ich die Weidehaltung kurzerhand
          per Gesetz obligatorisch machen – genauso mit Hühnern und allen anderen Nutztieren.

          Das würde den Fleischpreis explodieren lassen, wozu mir einfällt: Ziel erreicht!

          Die Tierschutzregelungen für Weidehaltung würden dann sicherlich dazu führen,
          dass die Betriebe tendentiell kleiner werden und mehr Leute brauchen.

          Wenn wir dann sozialpolitisch (und wir sollten das ökologische Argument hier eher nicht vorschieben – das zeigst Du ja ganz gut)
          kleine Betriebe wollen, um mehr Leute in der Landwirtschaft
          zu beschäftigen (-> mehr Ausgaben für Lebensmittel -> finde ich absolut vernünftig –
          das reduziert den Konsum vom ganzen Wohlstandsgesellschaftsgedönse
          und schon die Umwelt) machen wir einfach eine Förderkurve in der Art

          Förderung = A*exp(-B*x)

          mit x = Anzahl der Betriebshektar und wir stellen mit A und B sowohl
          die Lebensmittelpreise, als auch die effizienteste Betriebsgröße
          wie gewünscht ein bzw. wir können bei Bedarf nachregeln.

          https://www.mathenachhilfe.ch/lernhilfen/algebra/theorie/exp_wachstum_zerfall.pdf

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