Anklamer Ethanol- u. Zuckerfabrik: Mehr als 80.000 Kubikmeter hoch-belastete Abwässer versickern pro Jahr im Grundwasser

Anklam. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Hinweise und Befürchtungen gab, dass die Abwasserteiche und Deiche der Ethanol- und Zuckerfabrik Anklam undicht sind und so verunreinigtes Abwasser in Grundwasser und Peene gelangen, hat sich dies nun bestätigt.Schwimmbadblick

Ca. 100.000 bis 150.000 Kubikmeter Abwasser sickern pro Jahr ins Grundwasser. Dies entspricht etwa 200 bis 300 mal der Menge Wasser, die die Anklamer Schwimmhalle fasst. Zu diesen Schlüssen kommen Kristin Wegner, Mitglied des Kreistags Vorpommern-Greifswalds für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Dr. Torsten Wierschin, Bündnisgrüner Vorstand des Kreisverbands Vorpommern-Greifswald. Beide hatten Mitte Oktober Akteneinsicht beim Umweltamt des Kreises vorgenommen, um einen Zwischenbericht eines Gutachtens zur Dichtheit der Deiche zu sichten. Die Erstellung des Gutachtens wurde durch die Behörden von der Ethanol- und Zuckerfabrik Anklam gefordert. 

Aus dem Zwischenbericht geht hervor, dass beträchtliche Mengen ungeklärter Abwässer aus den Klärteichen ins Grundwasser und von dort in die Peene gelangen. Dem Zwischenbericht liegt ein Monitoring des Grundwassers mittels mehrerer Messstellen zugrunde. Gemessen wurde von November 2015 bis Juni 2016.

Belastet ist dieses Abwasser u.a. mit Kalium. Kalium wird vom  Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) als Umweltgift eingestuft. Etwa Zwei Drittel der Gesamtmenge – ca. 130 Anklamer Schwimmbadfüllungen – werden als hochbelastete Abwässer eingestuft.

Die GutachterInnen schlagen in ihrem Zwischenbericht u.a. folgende Maßnahmen vor: 1. Ertüchtigung der Deiche und Teichsohlen 2. Modernisierung und Kapazitätserhöhung der Abwasseraufbereitungsanlage und 3. Verzicht auf die Nutzung der Schanzenbergteiche als Abwasserspeicher und deren Nutzung nur bei Havarien.

Auch mit diesen Sofortmaßnahmen wird zukünftig belastetes Abwasser in das Grundwasser und die Peene gelangen. Man rechnet mit einer Mengen von etwa  80 Anklamer Schwimmbad-Füllungen pro Jahr. Im Falle von Havarien wären es natürlich deutlich mehr.

„Wir benötigen dringend zusätzliche, unabhängige und automatische Messstellen am Fluss, die die Wasserqualität der Peene bei der Anklamer Ethanol- und Zuckerfabrik lückenlos und öffentlich einsehbar überwachen.“ fordern engagierte Anklamer BürgerInnen und VertreterInnen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Richtung Minister Till Backhaus (SPD) und Harry Glawe (CDU). „Das wäre eine effizientes Frühwarnsystem im Falle von Havarien.“

Neben dem Umweltministerium ist das Wirtschaftsministerium für die immissionsrechtliche Genehmigung der industriellen Anlagen in Anklam zuständig.

Insbesondere Minister Till Backhaus hatte nach der durch die Anklamer Ethanol- und Zuckerfabrik im August 2015 ausgelösten Umweltkatastrophe mit großem Fischsterben den Betroffenen seine uneingeschränkte Unterstützung zugesagt. „Darauf kommen wir jetzt zurück.“, so die BürgerInnen, die nach dem Fischsterben beim Minister in Schwerin vorgesprochen hatte.

Da die geforderten Messstellen noch immer nicht existieren, ist die Bürgerinitiative inzwischen zur Selbsthilfe übergegangen. Seit Beginn der Rübenkampagne im September 2016 messen die BürgerInnen mehrmals wöchentlich den Sauerstoffgehalt des Flusses. Die Daten werden öffentlich einsehbar ins Internet gestellt.

Wir Bündnisgrünen stellen nicht den regionalen Anbau von Zuckerrüben auf Vorpommerschen Böden infrage, noch sind wir gegen das Produzieren von Zucker, Biogas oder Ethanol.

Wir lehnen die massivst betriebene Konzentration von natürlicher Biomasse, chemischen Prozessstoffen und -rückständen ab, die zu den hier dargestelltem Problem und Begleitbelastungen wie Lärm, Geruch und Lkw-Verkehr führt und immer wieder führen wird.

Einen Ausweg, den wir als Bündnisgrüne vertreten und für den wir die politischen Rahmenbedingungen schaffen werden, ist  die feinteiligere, regional-verteilte Wirtschaftstätigkeit, die auf Effizienz und für Menschen nachvollziehbarem Wettbewerb mit sozialem Ausgleich fundiert. Der Hauptgedanke besteht dabei darin, die Grundlast, mit der wir auf Bio- und Atmosphäre einwirken, um mindestens den Faktor 10 zu verringern. Das ist gleichbedeutend mit einer einseitigen, industriellen Abrüstung. Die damit verbundenen, konventionellen Risiken sind im Vergleich zu den des Klimawandels kalkulierbar.

Mehr Infos dazu:
https://wasserqualitaet-der-peene-bei-anklam.blogspot.de
http://blog.gruene-vorpommern-greifswald.de/tag/peene/
https://goo.gl/YXYeuD (Tabellen aktueller Messungen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Kalium
https://dejure.org/gesetze/BImSchG

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