Greifswalder GRÜNE wollen Stadt als Standort für kontrollierten Anbau von medizinischem Cannabis etablieren

Die Bürgerschaftsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Forum 17.4 möchte, dass sich die Stadt Greifswald aktiv als Standort für den kontrollierten Anbau von medizinischem Cannabis bewirbt. Eine gemeinsamer Antrag mit der Fraktion DIE LINKE wird nächste Woche in den Gremien der Stadt beraten.

Hintergrund ist eine 2017 erlassene Gesetzesinitiative, die es zulässt, schwerkranke Patient/-innen mit Hilfe von medizinischem Cannabis zu behandeln. Allein 2018 haben die drei größten Krankenkassen in Deutschland rund 12.500 Patientinnen entsprechende Anträge bewilligt.

Die Versorgungssicherheit für Arzneiprodukte auf Grundlage von medizinischem Cannabis ist in Deutschland nach wie vor schwierig. Bisher können ausschließlich Importe aus anderen Ländern den Bedarf decken. Diese sind allerdings nicht immer zuverlässig und in der Qualität schwankend. Deshalb wird von Seiten der Bundesregierung der kontrollierte Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland vorangetrieben.

„Für viele Patient/-innen ist medizinisches Cannabis die letzte Möglichkeit, um ihre Krankheiten und Symptome zu lindern. Diese Menschen sind darauf angewiesen, dass es eine verlässliche und gute Versorgung mit entsprechenden Arzneiprodukten in Deutschland gibt. Wir haben als Stadt die Chance, einen Beitrag für die Versorgungssicherheit zu leisten. Diese müssen wir zum Wohle der Gesundheitsversorgung in Deutschland unbedingt nutzen“, erklärt Ulrike Berger, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen.

Im aktuellen Vergabefahren für den kontrollierten Anbau durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und ihrer Cannabisagentur sind insgesamt 13 Lose mit einer jährlichen Anbaumenge von 200 Kilogramm ausgeschrieben. Aufgrund der rasanten Entwicklung des Bedarfs ist damit zu rechnen, dass der Anbau in Deutschland in Zukunft jedoch deutlich mehr Mengen produzieren muss, damit die Versorgungssicherheit für Patient/-innen gewährleistet werden kann.

„Bereits jetzt ist der Anbau von medizinischem Cannabis in anderen Ländern ein stark wachsender Wirtschaftszweig. Wir wollen deshalb den Anbau auch nach Greifswald holen, um die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort zu stärken. Die Stadt bietet gemeinsam mit der Universität und der Universitätsmedizin gute Voraussetzungen, um die vorgesehene wissenschaftliche Begleitung zu realisieren. Greifswald hat die Chance, progressive Wirtschaftspolitik im Sinne der Patient/-innen und des Gesundheitssystems in Deutschland zu forcieren“, führt Milos Rodatos, Mitglied im Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft, aus.

Rodatos weiter: „Es liegt im Interesse der Stadt, einen derartig dynamischen Wirtschaftszweig nicht wieder ausschließlich im Westen und Süden Deutschlands anzusiedeln, sondern ebenso im Osten (sowohl im Bundesland als auch im Bund) davon zu profitieren. Greifswald bietet gute Voraussetzungen hierfür. Es liegt an der Stadtpolitik den Willen zu zeigen, diese Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik im Sinne der Patient/-innen zu nutzen. Das ist am Ende nicht nur die Hilfe für schwer kranke Menschen und deren Möglichkeit, die Medizin zu erhalten, die sie benötigen, sondern auch eine Entlastung für alle Krankenversicherten, weil der kontrollierte heimische Anbau die Finanzbudgets der Krankenkasse im Vergleich zu den unsicheren und teuren
Import-Produkten schonen wird.“

Die Greifswalder Bündnisgrünen werden bis zur Bürgerschaftssitzung am 29. April 19 bei weiteren Fraktionen für die Unterstützung der Vorlage werben.

Christoph Oberst

Christoph Oberst

Christoph ist Geschäftsführer des Kreisverbands, Mitglied der Greifswalder Bürgerschaft und Geschäftsführer der Kreistagsfraktion.
Christoph Oberst

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