Archiv der Kategorie: Sport

SVZ_Artikel: Rücklagen der Sparkassen

Nur drei von neun Geldhäusern in MV beteiligen die Eigentümer in Städten und Landkreisen am Erfolg

Knausrige Banker: Sie fahren Millionen-Gewinne ein, beteiligen die Eigentümer ihrer Geldhäuser aber kaum am wirtschaftlichen Erfolg. Nur drei von neun Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern haben in den vergangenen Jahren an ihre kommunalen Träger Gewinnanteile überwiesen. Lediglich die Sparkassen Mecklenburg-Strelitz, Neubrandenburg-Demmin und die Müritz-Sparkasse zahlten ihren beteiligten Städten und Landkreisen seit 2012 jährlich zusammen etwa eine Million Euro – insgesamt 4,03 Millionen Euro, ermittelte das Finanzministerium in Schwerin. Etwa die Hälfte schüttete allein Neubrandenburg-Demmin an die Träger im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und bei der Stadt Neubrandenburg aus. Die großen Sparkassen in Rostock, Schwerin und Vorpommern mit den höchsten Bilanzgewinnen horteten hingegen ihre Erträge und ließen ihre Träger abblitzen.

Millionenerträge bei den Sparkassen, Millionenschulden bei den Eigentümern: Angesichts klammer Kassen werden in den Kommunen Stimmen laut, einen Teil der Gewinne den öffentlichen Haushalten zu überweisen. Es gehe nicht darum, den Sparkassen das Geld wegzunehmen, fordert Waldemar Okon, Grünen-Fraktionschef im Kreistag Vorpommern-Greifswald mehr Sparkassen-Engagement: „Städte und Gemeinde sind klamm, da kann eine Gewinnbeteiligung nicht schaden.“

Hier findet Ihr den ganzen Artikel: https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/sparkassen-horten-gewinne-id16827981.html

 

Besuch Valerie Wilms, MdB zur Traditionsschifffahrt

6.1., 14Uhr – Weiße Düne

Bündnisgrüne Bürgerschaftsfraktion und der Kreisverband Vorpommern-Greifswald laden am 6. Januar 2017 alle Traditionsschiffer*Innen zum gemeinsamen Austausch mit MdB Frau Dr. Valerie Wilms auf die Weiße Düne, in den Greifswalder Museumshafen, ein. Beginn: 14Uhr.

Nachdem die Bündnisgrüne Fraktion erfolgreich einen Antrag zum Erhalt der Greifswalder Traditionsschifffahrt in die Bürgerschaft einbrachte, wollen wir nun gemeinsam mit Fr. Wilms über die Inhalte der beabsichtigten SchSV und über die damit einhergehenden Probleme, für die hiesige Traditionsschifffahrt, diskutieren. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen der gemeinsame Austausch, das Aufzeigen von möglichen Szenarien und das Gehört werden.

Bürgermeisterkandidat Stefan Fassbinder zur Förderung des Sports in Greifswald

Stefan Fassbinder - Porträt
Auf die Frage des Sportbundvorsitzenden, Bernt Petschaelis, welche Schwerpunkte er im Falle seiner Wahl bei der künftigen Förderung des Sportes in der Hansestadt setzen würde, antwortete Stefan Fassbinder, der am Dienstag zu Gast beim Stadtsportbund war, folgendermaßen:
In erster Linie sei es wichtig, weiter in die Sportinfrastruktur der Stadt zu investieren, um den steigenden Bedarf des Schul- und Vereinssports an gut ausgestatteten Plätzen und Hallen zu decken. So z.B. in eine neue Sporthalle der Caspar-David-Friedrich-Schule bzw. in die umfangreich notwendige Sanierung des Volksstadions als Greifswalds Kernsportstätte.
Gleichzeitig müsse aber auch an die Werterhaltung der bestehenden Sportstätten kontinuierlich gedacht werden, um dem kostensparenden „Fahren auf Verschleiß“ endlich Einhalt zu gebieten. Hier nur kurzfristig zu denken wäre fatal, denn am Ende entstünden durch Grundsanierung oder Abriss und Neubau weitaus höhere Kosten.

Bürgermeisterkandidat Stefan Fassbinder zur Förderung des Sports in Greifswald weiterlesen

GRÜNE begrüßen Zukunftswerkstatt zur „Greif“

Alexander Krüger: Beharrlichkeit unserer Fraktion wird belohnt

Eigentlich hätte sich der Vorsitzende des Sportausschusses, Alexander Krüger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), gewünscht, dass in der Ausschusssitzung am Montag das Konzept der Stadtwerke zur Zukunft des See- und Tauchsportzentrums der Öffentlichkeit vorgestellt würde. Das jedoch geschah nicht. Das Konzept wurde bislang nur in nichtöffentlicher Sitzung des Hauptausschusses präsentiert.

Das Konzept soll Möglichkeiten aufzeigen, wie die Zukunft des Segelschulschiffs „Greif“ gesichert werden kann. Denn die finanzielle Lage der „Greif“ erfordert rasches Handeln. Daher hatte die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN immer wieder seit dem letzten Sommer die Idee einer Zukunftswerkstatt in die politischen Gremien der Stadt getragen. In einer Zukunftswerkstatt sollen engagierte und interessierte Vereine, Gruppen sowie Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam Vorschläge für die Zukunft des Segelschulschiffs erarbeiten.

Die Organisation einer solchen Zukunftswerkstatt kündigte die Stadtverwaltung nun in der letzten Sitzung des Sportausschusses an. „Wir freuen uns sehr über diese Zusage“, erklärt Krüger „Dank der Beharrlichkeit unserer Fraktion wird es jetzt eine Zukunftswerkstatt geben. Wir wünschen uns, dass dazu neben den eigentlich Betroffenen und dem politischen Raum alle Vereine und alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen werden, die sich mit dem Schiff verbunden fühlen und konstruktive Vorschläge zur Zukunft der „Greif“ machen können“, so Krüger weiter.

Der Sportausschuss-Vorsitzende Krüger regte an, noch vor der nächsten Ausschussrunde im März zur Werkstatt einzuladen. In der nächsten Sitzung des Sportausschusses sollten dann nicht nur das Konzept der Stadtwerke, sondern auch die Ergebnisse der Werkstatt vorgestellt werden. So könnte gemeinsam eine rasche Lösung für die Zukunft der „Greif“ gefunden werden.

Gleiche Chancen für alle Greifswalder Fußballvereine

Wie erfolgt die Vergabe der Trainingsplätze/-zeiten und wann beginnen die Sanierungsarbeiten am Jugendplatz?

Anlässlich der geplanten Sanierung bzw. der Neuanlage des Jugendplatzes im Volksstadion hat die Bürgerschaftsfraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN eine Kleine Anfrage an die Verwaltung gestellt. Sie soll klären, nach welchen Kriterien die Vergabe der Nutzungszeiten und Plätze an die Greifswalder Fußballvereine erfolgt und ob die Sportplätze im Volksstadion effizient ausgelastet werden. Uns ist nicht klar, ob alle Greifswalder Vereine die gleichen Chancen auf die Nutzung der Plätze haben und nach welchen Kriterien die Verteilung stattfindet.

Neben den organisatorischen Fakten ist auch der Stand der Sanierung des Jugendplatzes ein wichtiger Punkt der Kleinen Anfrage. „Es ist nötig, die Planungen gewissenhaft durchzuführen“, so Alexander Krüger, Vorsitzender des Sportausschusses. „Bislang gibt es keine Informationen dazu, wie weit die Planungen für die Sanierung fortgeschritten sind und wann die Sanierung des Jugendplatzes beginnen wird. Eine rechtzeitige Information ist wichtig, um mögliche Beeinträchtigungen des Trainings- und Spielbetriebes zu verhindern. Wir wollen, dass der Platz nach der Sanierung der neuesten Technik entspricht. Wir können es uns nicht erlauben, jetzt Fehler zu machen, die uns dann in den nächsten Jahren womöglich teuer zu stehen kommen.“

Im Detail geht es um folgende Fragen:

1a. Wie weit sind die im Haushalt 2013 beschlossenen Planungen für die Erneuerung des Jugendplatzes und wann wird mit dem Bau begonnen?

b. Hat die Sanierung bzw. eine Neuanlage des Jugendplatzes negative Auswirkungen auf den Trainings- und Spielbetrieb der Greifswalder Fußballvereine?

c. Wird mit der Sanierung bzw. der Neuanlage ein Platz entstehen, welcher der neuesten Technik und den derzeitigen Anforderungen an den Spielbetrieb entspricht?

2a. Im Volksstadion wird derzeit auf vier Plätzen (Hauptplatz/ Westplatz/ Ostplatz/ Jugendplatz) trainiert und der Punktspielbetrieb abgehalten. Wer ist für die Platzverteilung zuständig und wann und wie oft findet sie statt?

b. Nach welchen Kriterien wird festgelegt, welche Vereine auf welchem Platz trainieren? Welche Vereine trainieren demnach auf welchem Platz? Spielt bei der Festlegung die Spielklasse der Vereine eine Rolle? Haben die Vereine ein Mitspracherecht?

c. Ist es den Vereinen möglich, auch außerhalb ihrer Trainingszeiten auf den Plätzen zu trainieren und wie ist dazu der Verfahrensablauf?

d. Können die Vereine bei Punktspielverlegungen vor diesen Spielen auf dem Punktspielplatz trainieren?

3a. Der Hauptplatz im Volksstadion wird für den Punktspielbetrieb und das Abschlusstraining bei Heimspielen unserer Vereine genutzt. Wie hoch war die Auslastung des Hauptplatzes gemessen an den Heimspielen aller Vereine in der Saison 2011/ 2012 sowie in der laufenden Saison 2012/2013?

b. Teilen Sie uns bitte nach Vereinen getrennt mit, wie viele Heimspiele in der vergangenen Saison gespielt wurden und wie viele davon auf dem Hauptplatz ausgetragen wurden.

c. Wird der Hauptplatz in den Sommerpausen für den Trainingsbetrieb freigegeben?

Positives Feedback für Projekt Hochseilgarten im Sportausschuss

Alexander Krüger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):  Schade, dass das Vorhaben erst so spät der Öffentlichkeit vorgestellt wurde

Die Mitteilung des Baudezernenten Herrn Hochheim über die Einrichtung eines Hochseilgartens in der letzten Bürgerschaftssitzung kam für die Öffentlichkeit überraschend. Bislang hatte man weder im politischen noch im öffentlichen Raum von diesen Plänen gehört. Auf Initiative von Alexander Krüger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Vorsitzender des Sportausschusses, wurde das Thema daraufhin auf die Tagesordnung der letzten Sportausschuss-Sitzung gesetzt.

Es ist unverständlich, dass die Verwaltung das Projekt nicht schon in einer früheren Sitzung vorgestellt hat. Denn die Vorbereitungen laufen offenbar schon seit September letzten Jahres. Die Ideen des Betreibers indes wurden durch den Ausschuss positiv bewertet. Auch, dass der Hochseilgarten durch einen gemeinnützigen Verein betrieben werden soll, fand Anklang. Allerdings tat sich noch Klärungs- und Regelungsbedarf auf. Es muss zum Beispiel geklärt werden , wie der Zugang bei den Heimspielen der Greifswalder Fußballvereine geregelt wird. Im selben Kontext wurde die Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen an den Spieltagen gestellt. Auch sei die Toilettennutzung auf der gegenüberliegenden Seite des Hauptplatzes nicht unkompliziert. Eine Lösungsmöglichkeit wären Container im Bereich des Hochseilgartens.

Auf die Frage nach der weiteren Nutzbarkeit der im Wäldchen befindlichen Wege, die durch Schülerinnen und Schüler der anliegenden Schulen sowie als Trainings- und Laufstrecke genutzt werden, wurde durch den Betreiber Entwarnung gegeben. Die Benutzung der Wege habe keinen Einfluss auf den Parkbetrieb und stelle für niemanden ein Risiko dar, so der Betreiber.

Besonderer Zuweisungsbedarf

Das Ministerium für Inneres und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern teilt der interessierten Öffentlichkeit heute mit, dass diverse Kommunen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit insgesamt 1,54 Millionen Euro unterstützt würden.
Bei den Mitteln handelt es sich um Sonderbedarfszuweisungen (mein erster Freudscher Verleser lautete „Sportbedarfszuweisungen“), also um Mittel, die über den üblichen Durst hinausgehen. Im Wesentlichen werden Investitionen im Bereich des Feuerwehrwesens finanziert.
Und da möchte ich doch fragen:
Wie kommt es, dass für die genannten Investitionen Sonderbedarfszuweisungen notwendig sind? Liegt damit nicht der Schluss nahe, dass die eigenen Mittel der Kommunen nicht ausreichen, weil die kommunale Ebene in Mecklenburg-Vorpommern systematisch unterfinanziert ist?
Nach welchen Kriterien werden Kommunen für solche Sonderzuschüsse ausgewählt? Spielt die Nähe zum Wahlkreis bzw. Landkreis des zuständigen Ministers möglicherweise eine Rolle? Wie wurden die Kommunen informiert? Wie wird sichergestellt, dass das Gleichbehandlungsgebot, das auch für das Verhältnis der Kommunen untereinander gilt, gewahrt bleibt? Wirken sich die besonderen Zuweisungen für die den betroffenen Kommunen auf den kommunalen Finanzausgleich aus und wenn nein, warum nicht?

Eigentlich sind mir diese Gefälligkeiten für den eigenen Nahbereich zu durchsichtig und zu billig. Aber offensichtlich ist eben alles noch wie früher und komischerweise funktioniert das hier immer (noch) so, fast wie zu DDR-Zeiten.
Nicht zu verachten auch der Aspekt Paternalismus und Wohltätigkeit von oben nach Gusto statt nach Gesetz. Vielleicht ist ja auch noch was für Tafeln übrig, die passen gut dazu, dann hätten die ganzen Feuerwehrgebäude auch eine Funktion.
Denn Geld ist ja offensichtlich genug da. Es mangelt nur an der Bereitschaft, dieses Geld sinnvoll, gerecht und auf nachvollziehbaren Wegen zu verteilen.

Ein paar Fragen zur Verantwortung im Sport

Das sportliche Medaillenzählen in London wurde letzten Donnerstag bekanntlich dadurch gestört, dass das Antifa-Portal „Kombinat Fortschritt“ auf die Beziehung der für das DOSB-Team startenden Rudererin Drygalla zu einem Menschen hinwies, dessen Verbindungen zur Rostocker Neonaziszene offensichtlich sind.
Mittlerweile geht es hauptsächlich darum, inwieweit die zwischenzeitlich erfolgte Distanzierung der Sportlerin und ihres Freundes glaubwürdig und ausreichend ist. Ich habe da meine Zweifel und stehe damit nicht allein, wie etwa die Beiträge bei Tagesschau oder Nordkurier belegen. Die beste Zusammenfassung stellen die durch die Süddeutsche Zeitung aufgeworfenen Fragen dar.

Ein wenig in den Hintergrund tritt dabei die Frage, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass diese Fragen nicht im Vorfeld der Nominierung und der Wettkämpfe hinreichend untersucht und geklärt werden konnten.

Die Sportlerin hatte, auch das ist inzwischen allgemein bekannt, ihre Ausbildung bei der Polizei abgebrochen, nachdem ihre Verbindungen ins Neonazimilieu dort bekannt wurden. Davon wusste auch der zuständige Innenminister Lorenz Caffier (CDU).
Caffier ist als Minister neben der Innenpolitik auch für den Sport verantwortlich. Er hat sich diese Zuständigkeit ausdrücklich gewünscht, auch da er als langjähriges Präsidiumsmitglied des Landessportbundes (LSB) mit den Themen wie den handelnden Personen vertraut ist. Dagegen ist nicht viel einzuwenden, zumal es eine „logische“ Zuordnung für den Sportbereich nicht gibt.
Ein „kurzer Draht“ kann manchmal in der Politik von Nutzen sein. Nur: hier hat er anscheinend nicht das gebracht, was wünschenswert gewesen wäre.
Aber nun weist Caffier, bei dessen Person nun alle wesentlichen Informationen zusammenliefen, sämtliche Verantwortung für den Fall Drygalla von sich und schiebt ihn den Sportverbänden zu. Schließlich habe er den Landessportbund ja auch informiert.

Und genau hier beginnt das Problem: Denn die bloße „Information“ reicht in einem solchen heiklen Fall eben nicht aus. Denn sie setzt voraus, dass auf Seiten des Landessportbundes und des Ruderverbandes ein entsprechendes Problembewusstsein anzutreffen ist, das zu einer umfassenden Untersuchung der anstehenden Fragen im Vorfeld geführt hätte. Das fehlte hier aber offenkundig. Erkennbar wird das daran, dass dieselbe Information nicht an den DOSB, der die Gesamtverantwortung für seine Olympiateilnehmer_innen trägt, weitergeleitet wurde.
Und an dieser Stelle muss auch ein Sportminister handeln und einfordern, dass eine auch für die Öffentlichkeit nachvollziehbare Klärung im Vorfeld stattfindet. Genau dafür ist ein Sport-Politiker da, sonst bräuchten wir die Funktion des Sportministers nicht. Es hätten ihm mehrere Möglichkeiten zur Verfügung gestanden, die die Autonomie des Sports respektiert hätten. Wahrscheinlich hätte schon die Androhung demonstrativer Distanz durch Verzicht auf das gemeinsame Gruppenphoto von Sport und Politik mit den 15 in London startenden Sportler_innen aus Mecklenburg-Vorpommern ausgereicht. Ein dezenter Hinweis darauf, dass der Einsatz des Ministers für das durchaus beachtliche Niveau der Sportförderung im Lande nicht selbstverständlich ist, wäre die nächste Karte gewesen.

Letztlich ist die naive Haltung der Sportverbände, die sich jetzt offenbart, auch Folge eines langfristigen strategischen Fehlers. Denn verbale Erklärungen und Bekenntnisse sind an sich noch wenig glaubwürdig und hilfreich. Um rechte Einstellungen rechtzeitig erkennen zu können, ist ein tieferes Verständnis erforderlich. Es mangelt jedoch an Aufmerksamkeit gegenüber schleichenden Grenzüberschreitungen zu den Parolen der Rechten. Die Taktik der formalen Bekenntnisse ersetzt nicht den langen Weg, der zu gehen ist, um diese Aufmerksamkeit in der Gesellschaft durchzusetzen. Ein interessantes Fundstück hierzu liefert ein fünf Jahre alter Artikel der Tageszeitung. Schon damals warnten Initiativen und grüne Politiker vor den Problemen der Neonazi-Bekämpfung „von oben“.

Der Fall Drygalla hat viel mit der Politik in Mecklenburg-Vorpommern zu tun.

Fußballstrand Heringsdorf: Meine Wünsche an das ZDF

Folgendes Schreiben habe ich heute an das ZDF geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern freue ich mich, dass das ZDF anlässlich der Übertragung der Fußball-Europameisterschaft 2012 den „ZDF-Fußballstrand“ an der Heringsdorfer Seebrücke als EM-Studio eingerichtet hat. Ich begrüße es auch, dass Sie die Nachbarschaft unserer Region zum Gastgeberland Polen nutzen, um auch über den Fußball hinaus Mecklenburg-Vorpommern vorzustellen und zu zeigen.
Mein Anliegen und Anlass dieses Schreibens ist der Wunsch, dass Sie sich in diesem Zuge auch den Problemen und Schattenseiten unserer Region widmen mögen. Genauso wie zum Beispiel eine kritische Sichtweise auf die Gastgeberländer, insbesondere auf die politische Situation der Ukraine, notwendig und angebracht ist, sollten Sie die erhöhte Aufmerksamkeit der kommenden drei Wochen auch nutzen, um kritische Berichte über Probleme in Vorpommern in Ihr Programm einfließen zu lassen.
Die größten Probleme unserer Region sind aus meiner Sicht Mängel in der demokratischen Entwicklung der Region. Das drückt sich vor allem durch vergleichsweise hohen Zuspruch für rassistische und nationalistische Ideologien aus, wie sich an den hohen Wähleranteilen der NPD erkennen lässt. Neonazis versuchen in Teilen Vorpommerns, Räume für sich zu besetzen, und setzen dabei auch auf Gewalt und Einschüchterung gegenüber Andersdenkenden. Menschen, die sich der Ausbreitung menschenfeindlicher Gesinnungen und Aktivitäten entgegenstellen, erhalten dabei oft zu wenig Unterstützung.
Eine Fußball-Europameisterschaft ist ein internationales Ereignis, das wir gerne mit fairem sportlichen Wettstreit, Weltoffenheit und Toleranz verbinden. Auch der DFB und die Nationalmannschaft betonen dies zu Recht immer wieder. Die jüngsten Äußerungen von Philipp Lahm zur Situation in der Ukraine unterstreichen das. Der Hinweis, dass bei solch einem Turnier für menschenfeindliche Ideologien kein Platz ist, muss gerade gegenüber denjenigen in unserer Region, die sich gegen Weltoffenheit und Toleranz richten, deutlich artikuliert werden.
Daher wünsche ich mir, dass Sie die Gelegenheit Ihrer EM-Berichterstattung aus Heringsdorf auch dazu nutzen, auf unsere Probleme hinzuweisen und damit auch diejenigen zu unterstützen, die sich in Vorpommern gegen Neonazis und für eine Entwicklung der demokratischen Kultur engagieren. Ein Ansprechpartner in der Region könnte etwa der DemokratieLaden in Anklam (www.demokratisches-ostvorpommern.de) sein.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihrer journalistischen Arbeit und uns allen natürlich ein faires und interessantes EM-Turnier.

Mit freundlichen Grüßen
Kay Karpinsky

 

Bilanz: WM und Public Viewing

Huch, das auch noch? Hier?
Keine Sorge, es gibt schließlich einen klaren kommunalpolitischen Bezug, der soll auch nicht zu kurz kommen.
Aus fußballinteressierter Sicht bin ich von der WM 2010 durchaus angetan. Nach zähem Beginn entwickelte sich ein ansprechendes Niveau. Bemerkenswert vor allem, dass es „gerecht“ zuging. Nur in zweieinhalb Fällen konnte man von einem „unverdienten Sieg“ sprechen. Dabei hatten die Niederlagen Spaniens gegen die Schweiz und Deutschlands gegen Serbien (wie unverdient Letztere war, darüber kann man auch streiten) für den Turnierverlauf letztlich keine Auswirkungen. Als einziger Makel bleibt damit der unschön zustande gekommene Viertelfinalerfolg von Uruguay gegen Ghana.
Gut gefallen hat mir auch der Erfolg „flacher Hierarchien“, wie sie die drei besten Teams verkörpern, im Vergleich mit der Konzentration auf vermeintliche „Superstars“. Wenn man dann unbedingt einen „besten Spieler“ benennen möchte, dann war es für mich der Spanier Xavier Hernández i Creus, der dann auch stets so vortrefflich unsuperstarig daherkommt.
Wie seit einigen Jahren üblich, wurde das Ereignis auch dieses Mal auf zahlreichen „Fan-Events“ ausgiebig gefeiert, so eben auch in Greifswald. Inwieweit man dabei noch von „Zuschauen“ sprechen kann, ist allerdings fraglich.
Am Beispiel des Halbfinalspiels Deutschland – Spanien fiel deutlich auf, dass die Wahrnehmung dieses Spiels zwischen kontinuierlich an Fußball Interessierten und den meisten Übrigen auseinanderklaffte. Ich war einigermaßen begeistert: Passen und Verteidigen auf höchstem Niveau, mit nur 16 Fouls und ohne Gelbe Karte, ausführlich nachzulesen zum Beispiel in der taz mit ähnlicher Bewertung. Die Taktikseite zonalmarking erläutert darüberhinaus einige Schlüssel zum Erfolg Spaniens: Herausnahme von Torres, tiefe Positionierung von Busquets, Flügelläufe von Ramos. Man konnte das alles bei aufmerksamer und konzentrierter Betrachtung auch erfassen. Was Zonalmarking nicht einmal erwähnt, ist auch der Überraschungseffekt beim entscheidenden Eckball. Die vorherigen fünf Ecken hatte Spanien allesamt kurz ausgeführt.
Für solche Details fehlt vermutlich der Blick, wenn man ein Spiel nur nebenbei beim Feiern anschaut. Da findet man ein hochklassiges Halbfinale schnell mal „langweilig“, weil wenige Fehler gemacht werden, oder gar „langsam“, weil die Relativbewegung der Spieler zueinander gering bleibt, solange alle gekonnt verschieben. Bewegung im Spiel war genug, bei Schweinsteiger zum Beispiel insgesamt 12 Kilometer. Manchem Meckerer wäre das mit dem Fahrrad deutlich zu viel.
Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand alle zwei Jahre rund um den Fußball einfach nur ein bisschen feiern möchte. Mit eigentlichem Fußballinteresse hat das allerdings nur am Rande zu tun. Und angesichts dessen muss man sich die Frage stellen, ob das „Public Viewing“ in seiner Greifswalder Variante weiter unterstützenswert ist. Der Markt ist bei 57 von 64 Spielen schwach gefüllt (wenn Deutschland ins Halbfinale kommt), die Mieter der WVG subventionieren eine Veranstaltung, für die es keine klare Finanzplanung gibt. Es gibt zusätzliche Verkehrsprobleme, weil einige Auswärtige allen Erstes glauben, in der Greifswalder Innenstadt einfach so parken zu können, für das exorbitant hohe Scherbenaufkommen fühlt sich niemand zuständig. Nach wie vor sind viele Gestalten am Start, die es als Dumpfdeutsche nicht verwinden können, dass sie aber auch gar nicht zur Internationalität des Turniers an sich und der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes im Besonderen passen können.
Würde sich die Veranstaltung „Public Viewing“ finanziell selbst tragen und würde damit ein besseres Fußballverständnis des Publikums gefördert, könnte man sagen: „Weiter so!“ Da beides offensichtlich nicht der Fall ist, sage ich lieber: „So nicht weiter!“