Kein Bayer auf Rügen – Ein Usedomer in Franken

Der Zempiner Manuel Dethloff kandiert im Wahlkreis Coburg-Kronach für den Bundestag

 

Manuel, wie bist Du nach Coburg gekommen?

Manuel Dethloff - Bundestagskandidat für Kronach und Coburg aus dem Ostseebad Zempin
Manuel Dethloff – Bundestagskandidat für Kronach und Coburg aus dem Ostseebad Zempin

Der Job hat mich hierher verschlagen. Nach meinem Studium im Greifswald und einer über zweijährigen Zwischenstation in Göttingen bin ich Ende 2010 nach Coburg gezogen. Ich arbeite hier beim Landratsamt in einem Projekt, das die Bedingungen für Jugendliche auf ihrem Weg in den Beruf verbessern soll.

Könnt Ihr mit Eurem Projekt denn Erfolge verbuchen und wie kann man sich das konkret vorstellen?

Da fällt mir vor allem unsere „Zeig DICH!-Tour“ ein. Sie ist eine Alternative zu den großen, zentralen Ausbildungsmessen, die es ja in jeder Region gibt. Wir fahren Jugendliche aller Schularten in Gruppen von maximal 8 Schüler/innen in regionale Unternehmen. Vor Ort haben sie die Möglichkeit, die Betriebe und die Ausbildungsberufe hautnah kennen zu lernen. Es geht nicht darum die meisten Kugelschreiber einzusammeln, sondern sich intensiv mit der eigenen beruflichen Zukunft auseinander zu setzen. Und auch die zumeist kleinen und mittelständischen Betriebe profitieren davon. Sie lernen potenzielle Auszubildende kennen und können sich zugleich als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Insgesamt geht es uns darum den Jugendlichen ihre Chancen hier in der Region auf zu zeigen. Die Umsetzung der Tour funktioniert aber nur, weil wir von Anfang an der Wirtschafts- und die Handwerksjunioren mit im Boot hatten

Infobox:
Manuel Dethloff
Jahrgang: 1981
aufgewachsen: im Seebad Zempin auf der Insel Usedom
Studium: Politik, Geschichte und Pädagogik an der Universität Greifswald
Beruf: Mitarbeiter im Projekt „Mehr Aus-Bildung“ im Landratsamt Coburg
politsches Engangement: Wählergemeinschaft Zempin, Mitglied im Sozialausschuss der Gemeinde Zempin, Gemeindevertreter im Seebad Zempin,jetzt: Beisitzer im Vorstand des Kreisverbandes Coburg-Stadt von B‘90/Die Grünen

Du hast bei der Vorstellung der Schlüsselprojekte für den Wahlkampf ein besonderes Gewicht auf Bildungsprojekte gelegt. Hat Dich dieses Thema schon immer interessiert?

Ja, der Bildungsbereich begleitet mich schon eine ganze Weile. Aber das ist eigentlich zu kurz gegriffen. Ich interessiere mich schon sehr lange für die Entwicklung und die Belange von Kindern und Jugendlichen. Das war nicht nur ein Schwerpunkt in meinem Studium und meinem ersten Job in Göttingen, wo es um die Erforschung der Auswirkungen von ganztägigem Lernen auf dörfliche Sozialräume ging. Auch in meiner Heimatgemeinde Zempin habe ich mich viele Jahre zunächst im Sozialausschuss und später als Gemeindevertreter mit Schulentwicklung und der Situation unserer Kinder und Jugendlichen im Ort beschäftigt.

Du warst also schon im Vorpommern politisch aktiv. Wie lange warst Du denn in der Gemeindesvertretung und in den Ausschüssen aktiv und wie bist du dazu gekommen?

Ich denke, das liegt in der Familie. Meine Eltern sind beide schon lange in Vereinen aktiv und meine Mutter saß in der ersten Gemeindevertretung nach der Wende. Das kriegst du als Kind natürlich mit und das prägt einen auch. Ich bin mit 18 als berufener Bürger in den Sozialausschuss gekommen und habe das eine Legislatur gemacht. Bei der nächsten Kommunalwahl bin ich dann in die Gemeindevertretung gewählt worden und war neben dem Sozialausschuss auch im Finanz- und im Amtsausschuss aktiv. Nebenbei war ich auch noch eine Weile im Fachschaftsrat Politikwissenschaft und im Studierendenparlament der Uni Greifswald. Mit meinem Umzug nach Göttingen Anfang 2008 musste ich mein Mandat in Zempin leider niederlegen. Nach 9 Jahren Kommunalpolitik fiel mir das gar nicht so leicht. Aber so ganz habe ich mich aus Vorpommern ja nicht verabschiedet, schließlich bin ich noch immer Mitglied im Heimatverein Zempin und im Wolgaster Kanuverein.

Manuel Dethloff auf einer Kanutour im Peenestrom mit dem Wolgaster Kanuverein
Manuel Dethloff auf einer Kanutour im Peenestrom mit dem Wolgaster Kanuverein

Es ist ja eher ungewöhnlich in Vorpommern bei den Grünen zu landen. Wie kamst Du zu Grünen?

Mir war schon lange klar, dass ich irgendwann in eine Partei eintreten werde. In Zempin war das nicht notwendig, dort konnte ich mich auch ohne Parteizugehörigkeit politisch engagieren. Nur ist das ja eher die Ausnahme. In den meisten Regionen kann man sich nur einbringen, wenn man auch in einer Partei ist. Von daher habe ich mich 2010 entschieden, zu den Grünen zu gehen. Die Grünen bieten mir mit ihrem Verständnis von Demokratie und Bürgerbeteiligung und mit ihrer offenen und mitunter kontroversen Diskussionskultur die beste Plattform, um mich einzubringen. Und bei den Themen, die mir wichtig sind, habe ich mich dort am besten wiedergefunden. Für mich war das der richtige Schritt … in Coburg hatte ich durch die Grünen direkt Anschluss und gleich die Möglichkeit mitzumischen. Seit einem Jahr bin ich hier auch im Kreisvorstand und seit November offiziell der Grüne Bundestagskandidat für Coburg und Kronach.

Was wünschst Du Dir für Deine alte Heimat?

Viel Sonne, weniger Abwanderung und einen qualitativ hochwertigen und familienfreundlichen Tourismus.

Vielen Dank für das Interview.

weiterführende Links:

Hinweis: Interviewer und Interviewter haben gemeinsam studiert und waren zusammen in studentischen Gremien an der Universität Greifswald aktiv.

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Bildquellen

  • Manuel Dethloff_pf: Manuel Dethloff
  • manuel_dethloff_kanu_web: Manuel Dethloff - privat

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